Miro viermonatig
Miro viermonatig

Zwischenbericht II

13.02.2019 – ein Blogbeitrag von Heinz Angehrn

Sechs Monate sind nun vergangen, seit ich meinen Abschied vom Berufsleben als Pfarrer und vom Privatleben in der Ostschweiz genommen habe, Zeit also, wieder einmal einen Bericht zu erstatten, wie es hier im Süden und im Leben als Teilpensionierter so geht. Dies ohne Aktivieren der Kommentarfunktion, denn es ist ein blosser Bericht.

Meine geistige Hauptbeschäftigung gilt – nebst der weiterhin intensiven täglichen Lektüre der NZZ und des (Vor)Lesens von Belletristik und Krimi – der Schweizerischen Kirchenzeitung (SKZ). Hier darf ich mitdenken und -planen, Artikel kritisch sichten und an der Planung der kommenden Ausgaben thematisch und inhaltlich mitwirken. Dies ist und bleibt spannend, mit bestem Gewissen lade ich alle Lesenden, die noch nicht Abonnenten/innen sind, es zu werden. Gerade die beide nun kommenden Nummern – eine historische mit dem Titel «Konfessionszwiste und Lösungsstrategien» und eine soziologische zum Thema «Frauen als Akteurinnen des gesellschaftlichen Wandels» – verdienen Interesse und Diskussion.

Die emotionale Hauptbeschäftigung ist die des Lebens mit einem Hundewelpen und das Erleben, wie und wie schnell sich so ein Lebewesen entwickelt, wenn es von der Evolution dazu bestimmt ist, knapp einjährig mit allen vier Beinen und best ausgebildeter Nase und Ohren den Dienst als Hütehund auf den Alpweiden zu tun. Miro wiegt mit seinen vier Monaten schon jetzt über zehn Kilo und wächst wie wild, doch im Geiste und Verhalten ist er jetzt quasi ein Kindergärtler. Das braucht Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Denn Hunde machen keine Fehler, nur ihre Halter tun dies, und diese Fehler rächen sich ein Hundeleben lang.

Mein früherer gesellschaftlicher Status und mein dazu gehörendes Berufsleben spielen bei all dem kaum mehr eine Rolle. Wie schon berichtet, benötigen die vier polnischen Priester (kein Tessiner, nicht mal mehr ein Italiener), die für das Tal und seine etwa 16 Pfarreien zuständig sind, keine Zusatzhilfen. Dies war mir eine grosse Hilfe, mein früheres Leben und Wirken kritisch zu reflektieren. Viel von dieser Reflexion ist in den Blogs der vergangenen Wochen nachzulesen, ich verweise etwa auf die vom 19.12., dem 09.01. und dem vor einer Woche. Es ist emotional schwierig, Unzulänglichkeit und auch Schuld, die man bisher jahrzehntelang im privaten Bereich ansetzte, in der Institution, die man einmal geliebt hat, zu finden. Das tut weh.

Zur Kultur: Nun ist es Zeit, ein neues organisatorisches Kapitel aufzuschlagen. Ich kann nicht ohne Kultur leben, und meine Hausgenossen sind gnädig zu mir. So wird es ab der nächsten Saison ein Opern-Abo in Zürich und ein Konzert-Abo im LAC geben. Das heisst für die Lesenden, die früher meine Kritiken erhielten: Es geht wieder los! Ein erstes Schmankerl bald hier: Die Volksvorstellung von «Lucia di Lammermoor» in Zürich mit dem uralten Mann am Pult im März.

 

Heinz Angehrn
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Heinz Angehrn

Heinz Angehrn ist Priester des Bistums St. Gallen und lebt nach 37 Jahren im aktiven kirchlichen Dienst nun als Teilpensionierter im Bleniotal. Seit 2018 ist er Präsident der Redaktionskommission der Schweizerischen Kirchenzeitung, deren Neuauftritt er als St. Galler Vertreter in den letzten Jahren begleitet hat. Seine Hobbies sind Musik, Geschichte und Literatur. Er ist Mitglied der Grünliberalen.

Im Blog von Heinz Angehrn

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