zu frueh...

08.06.2018 – ein Blogbeitrag von Hans Leu

Mgr. Ladaria ist clever: kurz bevor er Kardinal wird gibt er ein Zeichen, dass er mit der «Kirche» geht, ganz denkt wie die Kirche denkt. Kath. Priester-Weihe fuer Frauen kann es nicht geben. «Die Kirche hat keine Vollmacht dazu». Der Papst weiss eben (Papst JP II hat viele Bischoefe befragt) wie die «Kirche» denkt und gibt sich hier als «Sprecher der Kirche» (obwohl er nur Bischoefe befragte). Die Bischoefe nehmen eigentlich in Anspruch, dass sie das Denken Jesu kennen (wenn nicht gar das Denken Gottes): und wollen von ihrem Amt her dieses Denken den Glaeubigen offenbaren und sie darauf ver -pflichten. Wie waere es, wenn Bischoefe sich Unsicherheit zumuten wuerden. Wenn sie dieses «Dogma» in Frage stellen koennten? Das aber widerspricht dem heute praktizierten Amts-Verstaendnis.  Die Kirche von heute ist noch nicht synodal: viele befuerchten sie sei eher noch immer im Imperialismus verfangen, wo es bekanntlich heisst: «by the power invested in me…».
Wenn heute ein kath. Bischof zur priesterlichen Frauenweihe einladen wuerde, ich wuerde nicht hingehen. Warum wider-
spricht es mir? Weil das Priester-Amt, so wie es heute noch verstanden wird, die Folge eine Fehlverstaendnisses ist.
Zuerst muss das Priester-Amt «jesuanisch» werden: heilend, dienend, animierend zugunsten der Gemeinschaft der Glaeubigen.
1. Jesus selbst war nicht Papst noch Bischof geschweige denn Priester (im heutigen Sinne).  Im Verlauf der Zeit wurde dieses Amt geformt und entpput sich heute als imperialistisch
wie die Mitra deutlich zeigt. Es gibt den dringenden Verdacht, dass sie ein Zeichen des «Holy Byzantine-Roman Empire» war und etwa seit 1150 in der westlichen Kath. Kirche fuer die Bischoefe selbstverstaendlich. Die Mitra wurde zum Zeichen der «imperial regalia», der bischoeflichen authoritativen dreifaeltigen Macht, die von oben herab das Weltorchester mitdirigiert.
Papst Paul VI hat 1963 ein Zeichen gegeben – als er auf die Mitra (Tiara) verzichtete – dass die Kirche von der Verkoerperung des Imperialismus wegkommen sollte. Auch der Papst F I hat ein Zeichen gegeben, als er die Deutschen Bischoefe heimschickte: sie sollen das «Kommunion-Problem»
selber einmuetig loesen (das «Zeichen» ist im moment umstritten).
Wenn nun heute «Mitra» eine Frau in dieses imperiale Amt weiht, es ihr vermittelt – unvorstellbar schrecklich. Das is dann kein Service sondern Aufnahme ins Imperium.
2. Im heutigen Kath. Amts-Verstaendnis verwandelt der Priester die Hostie in den Leib Christi und die Glaeubigen haben das zu akzeptieren. Ist es nicht die kirchl. Gemeinschaft
die im Hl. Geist das Brot «verwandelt» und der Priester ist ihr legitimer «Sprecher» (und in der Pastoral der berufene Animator zugunsten dieses Geheimnisses)? Jesus hat eben
ein neues Menschen-Verstaendnis gebracht: Der christliche Mensch versteht sich als «Brot + Wein» fuer das Leben der Welt.  Dieses Verstaendnis proklamieren wir in der Eucharistie-Feier. Dafuer waeren Frauen sehr wohl geeignet. Aber davon sind wir heute noch weit entfernt.
3. Solange der Kath. Priester ehelos und ohne Kinder zu zeugen leben soll – muesste das der Frau auch zugemutet werden. Ihre biologische und spirituelle Mutterfaehigkeit koennte das Verstaendnis «Kirche als Mutter»  verlebendigen; aber im patriarchal-imperialen Kirchen-Amts-Verstaendnis geht das nicht.

Gottseidank kenne ich viele Priester, die persoenlich nicht
imperialistisch sind. Aber was koennen sie tun, wenn ihr Vorgesetzter oeffentlich das Zeichen des Imperialismus zur Schau stellt ? und die Strukturen das Imperium verfestigen ?
Eine jesuanisch synodal kreative kath. Kirche ist vorerst noch nicht einmal erst im Fruehlings-Stadium. Es ist noch frostig. Ich hoffe, dass die Frauen das beherzigen, die Kirche zur Einsicht kommt und Strukturen erfindet, die den Hl. Geist zur Geltung kommen lassen.

Hans Leu
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Hans Leu

Der Urner Missionar Vikar Hans Leu (*1939) arbeitet seit 1988 in Namibia als Ausbildner des kirchlichen Personals und als Supervisor der Arts-Performance-Centres. Er  war einst Jungwacht-Präses in der Schweiz und in Fimcap. Er ist interessiert zu entdecken, wie heutige Menschen ein säkulares Christentum leben.

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