Viele Orden können ohne AusländerInnen nicht überleben.  © Walter Ludin
Viele Orden können ohne AusländerInnen nicht überleben. © Walter Ludin

Wie wäre es, wenn ich flüchten müsste?

10.11.2018 – ein Blogbeitrag von Walter Ludin

Wie «schön und gemütlich» haben es die Flüchtlinge?

Predigt zum Tag der Völker

Können Sie sich vorstellen können, wie es wäre, wenn Sie flüchten müssten? Und ich wage zu behaupten: Nur wer sich vorstellen kann, was Flucht ganz konkret bedeutet, kann sich wirklich in die Flüchtlinge hineindenken. Nur dann finden wir die richtige Einstellung zu ihnen.

Darum die Frage: Wie würden Sie sich fühlen, wenn sie auf einem Augenblick auf den andern ihre Heimat verlassen müssten, etwa weil sie auf einer Todesliste stehen. Sie wüssten, jemand hat den Auftrag, sie umzubringen, weil sie sich kritisch zur Regierung geäussert haben. Plötzlich müssten sie von all ihren Lieben Abschied nehmen, um das nackte Leben zu retten.

Oder aber: Sie müssten mit zwei, drei kleinen Kindern fliehen. Und sie wüssten, wie gefährlich eine wochen- und monatelange Flucht sein würde. Allein im Mittelmeer sind ja in den letzten Jahren 23’000 Flüchtende umgekommen; und weitere Tausende in den afrikanischen Wüsten.

Anhand von drei kurzen Szenen möchte ich Ihnen helfen, sich in die Situation von Asylsuchenden hinein zu denken.

Zuerst: Ein Cousin von mir war vor Jahren drei-vier Tage als Tourist in Italien. Und – er ist fast verhungert. Voller Entsetzen erzählte mir, wie schlimm es war, immer nur – entschuldigen Sie den Ausdruck – Tschingge-Choscht (Erklärung für die Ausländer: italienisches Essen) vorgesetzt zu bekommen.

Ich habe mit meinem Cousin noch nie über Flüchtlinge diskutiert. Aber ich vermute, er gehört auf Grund seinen politischen Einstellungen zu jenen, die behaupten: «Die Flüchtlinge kommen nur zu uns, um ein schönes, gemütliches Leben zu führen.»

Ein schönes Leben? Es ist ein Leben, in dem alles, alles anders ist: das Essen (es unterscheidet sich  wohl in den meisten Fällen  mehr als das  italienische  vom deutschschweizerischen). Anders ist die Sprache, das Klima, die Lebensweise usw.

Ich kenne Menschen, die äusserst Mühe haben, einmal auswärts übernachten zu müssen: «Ich kann nur in meinem eigenen Bett gut schlafen», sagen sie. Und gerade solch Menschen haben vielfach Mühe, sich vorzustellen, was die ganze Umstellung für Flüchtende bedeutet.

Eine zweite Szene: Vor genau 30 Jahren gestaltete die Caritas mit Laienspielern aus der Schweiz und mit Flüchtlingen das Stück «Das Volksfremden Theater». Eine Szene ist mir in bester Erinnerung: Wegen eines politischen Umsturzes muss ein gut bürgerlicher Mann, ein Metzgermeister, aus der Schweiz fliehen. In einer Szene sehen wir ihn im Sprachunterricht. Der dunkelhäutige Lehrer hat Mühe, sich an seinen Namen zu erinnern und spricht ihn dann völlig falsch aus: Aus Heinz wird «Eins». Und der Schweizer sitzt vor einer Wandtafel mit lauter unverständlichen Zeichen.

Wir sehen:

  • Flüchtlinge verlieren vielfach ihre Namen und damit auch ihre Identität. Stellen Sie sich vor, wie das für sie wäre: Sie wären nicht mehr der Hans oder der Fritz; nicht mehr die Agnes oder die Elisabeth. Sie würden mit einem Namen genannt, der sogar für sie unverständlich ist.
  • Und: Sie sehen sich in ihrem ganzen Umfeld mit einer Sprache, mit einer Schrift konfrontiert, von denen sie keine Ahnung haben. Ja, wie «schön und gemütlich» wäre Ihr Leben in einer solchen Situation?

Nun noch eine dritte Szene: Sie erinnern sich wohl noch an die Chemie-Katastrophe von Schweizer Halle bei Basel im Jahr 1986. Der Rhein wurde verschmutzt. Schädliches Gas geriet in die Luft.

Ich war damals auf einer Missionsstation in Tansania. Es war gerade eine ehemalige so genannte Laienhelferin aus Basel auf Besuch. Nicht ganz ernsthaft sagte ich ihr: «Wenn es noch schlimmer würde, kannst du ja hier in Tansania um Asyl nachsehen, als Umweltflüchtling.»

Im Ernst: Es kann niemand garantieren, dass es nicht auch in der Schweiz und ihrer Nähe Katastrophen gibt wie in den Atomkraftwerken von Tschernobyl oder Fukushima. Ich möchte niemandem Angst machen. Aber bleiben wir realistisch: Wer sagt uns, dass wir auch eines sehr unschönen Tages fliehen müssen. Wie wäre uns dann zumute?

Nun noch ganz wenige Sätze aus dem Schreiben von Papst Franziskus zum heutigen Tag mit dem Titel «Migranten und Flüchtlinge aufnehmen, beschützen, fördern und integrieren»:

  • Der Papst erinnert daran, dass viele Flüchtlinge Qualifikationen aufweisen, die gefördert werden sollen, zum Beispiel indem man ihnen Arbeit verschafft.
  • Er betont, dass Integration nicht bedeutet, dass die Ankommenden ihre ganze Eigenart aufgeben und vollständig unsere Kultur annehmen müssen.
  • Schliesslich schreibt Franziskus deutlich: «Ich beharre nochmals auf der Notwenigkeit, die Kultur der Begegnung in jeder Weise zu begünstigen.»

Damit kommen wir zum Schluss: Jeder und jede hat die Möglichkeit Flüchtlingen zu begegnen – und sie dabei menschenwürdig zu behandeln. Selbst in einem Altersheim: Vor einigen arbeitete eine Afrikanerin in einem Luzerner Pflegeheim. Eine Bewohnerin rief hasserfüllt aus: «Wann gehen die Neger endlich heim?» Eine Kollegin der Afrikanerin wies liebevoll darauf hin: «Wenn die ›Neger’ und alle Ausländer heimgehen, müssen sie oft lange auf jemanden warten, der sie pflegt.»

Dies ist ein weiterer Aspekt: Wir sind als Schweizer Volk mit einem grossen Geburtenmangel auf Menschen von auswärts angewiesen. Sie abzuweisen, ist früher oder später mit grossen Nachteilen verbunden. Darum: Begegnungen, wie der Papst sie wünscht, ist in vieler Beziehung eine ausserordentliche Bereicherung für alle Beteiligten.

Elisabethenheim Luzern, Sa 16.30. Frauenkloster St. Klara, Stans, So 9.30. Pflegeheim Nägeligasse, 10.40

 

 

Kommentare

  • Roland Xander says:

    ja, ich finde es geradezu als eine Pflicht der Kirchen, uns unsere Defizite in Bezug auf den konziliaren Prozess aufzuzeigen, endlich haben wir wieder einen Papst, der ganz in diesem Sinne handelt.

  • Michael Bamberger says:

    Karl Stadler: “…die Kirche wird gewiss wieder einen andern Anlass finden, uns unsere Defizite aufzuzeigen und mit der Eintrichterung von Schuldgefühlen in Sack und Asche gehen zu lassen.”

    Dieser “Anlass” wurde schon vor Äonen gefunden, nämlich die Ideologie der Erbsünde. Sie war und ist systemimmanent und eines der patentesten klerikalen Werkzeuge, um die in Sack und Asche wandelnden Massen zu knechten. Wie sprach doch einst der Fürst zum Pfaffen: «Ich halte die Massen arm, halte du sie dumm.»

    Inzwischen wissen und beobachten wir eindrücklich, dass Kombination von Aufklärung, Bildung und Wohlstand das effektivste Antidot bieten.

  • Karl Stadler says:

    Gewiss, Herr Xander, ist oder war die westliche Politik teilweise mitursächlich in die Konflikte im Nahen Osten mitverstrickt. Aber sie bildet bei weitem nicht die alleinige Ursache. Der iranisch-irakische Krieg fand lange vor der US-Invasion in den Irak statt, forderte ein Vielfaches an Toten, (über eine Million) verglichen mit der eigentlichen Invasion, bevor der Schlächter Saddam Hussein beseitigt wurde. Die Krux ist doch, ob derartige Schlächter nicht besser in Ruhe gelassen würden. Und mit Waffenliefierungen standen die sozialistischen Machtblöcke dem Westen um nichts nach. Im Gegenteil! Diese Despotien im Nahen Osten sind bei weitem nicht allein das Resultat westlicher Machtpolitik.

    Afrika war sicher auch Opfer der Kolonialpolitik. Die Kirchen in ihrem Missionierungsdenken haben diese Politik teilweise wacker unterstützt und an der Zerstörung eingesessener Kulturen ideologisch teilgenommen. Noch vor fünfzig Jahren gab es hierzulande Missionskässeli, wo ein Negerlein brav nickte, wenn man einen Batzen hineinwarf. Das wurde bereits damals von vielen als erniedrigend und teilweise zurecht als rassistisch empfunden.
    Die meisten Staaten sind inzwischen seit rund sechzig Jahren unabhängig und es ist vielerorts schlechter bestellt als damals. Gewiss sind da westliche Firmen, indirekt wir alle, auch mitverstrickt. Doch sind Rohstofffirmen oder Banken längst nicht das alleinge Übel. Es gibt afrikanische Ökonomen, welche die Hauptursachen in diesen Ländern selber orten. Korruption, Clan-Wirtschaft, keine verlässlichen Rechtssysteme, ethnische Konflikte usw. Und ihre Prognosen tönen zum Teil keineswegs optimistisch. Ein klassisches Beispiel jüngeren Datums ist das Drama im Südsudan. Da spielen Rohstoffkonzerne und Waffenlieferungen vorerst eine sehr untergeordnete Rolle. Auch die ehemalige Kolonialpolitik lässt sich da nicht einfach als die Erklärung beiziehen! In den Schulen wird zurecht die Sklavenwirtschaft/der Sklavenhandel behandelt. Was aber zumeist verschwiegen wird, dass z.B. in den westafrikanischen Gebieten zumeist die eigentlichen Sklavenjäger weder Europäer noch Amerikaner waren oder dass der Sklavenhandel in den muslimischen Raum keineswegs weniger ausgeprägt war.
    Was das Weltklima anbelangt, so ist der CO2-Ausstoss in absoluten Zahlen allein von China bereits seit einiger Zeit höher als jener der USA oder des gesamten EU-Raums. Und es wird nicht lange dauern, bis China auch bzgl. des Pro-Kopf-Ausstosses an der Spitze sein wird. Indien holt in Riesenschritten auf.
    Das alles soll nicht als Rechtfertigung verstanden werden. Aber das Problem bilden keineswegs allein die westlichen Industrienationen und wir sind bei weitem nicht allein für alles Übel und Elend verantwortlich!
    Die Kirche sollte endlich aufhören mit ihrer uralten Tradition und Strategie, die Leute beständig mit Schuldgefühlen zu berieseln. Sollte wider Erwarten das Problem von Hunger und Elend auf diesem Planeten einmal sich einer Lösung nähern, die Kirche wird gewiss wieder einen andern Anlass finden, uns unsere Defizite aufzuzeigen und mit der Eintrichterung von Schuldgefühlen in Sack und Asche gehen zu lassen.

  • Roland Xander says:

    ..und noch etwas Herr Stadler, denken wir doch daran, dass die Afrikaner unsere Urvorfahren sind, sie haben den langen und strapaziösen Weg nach Europa in Kauf genommen und damit unser Leben hier erst ermöglicht!

  • Roland Xander says:

    Da bin ich ganz anderer Ansicht, in erster Linie müssen wir uns ändern,
    die sogenannten Industrienationen.
    – die jetzige Weltwirtschaft ist zutiefst ungerecht, ein Beispiel: Mit in der EU hoch subventionierten, überschüssigen Landwirtschaftsprodukten wird der afrikanische Markt zu Dumpingpreisen geradezu überschwemmt, ein einheimischer Aufbau einer eigenständigen Landwirtschaft wird dadurch verunmöglicht;
    – Klimaveränderung, dafür sind hauptsächlich die Industrienationen verantwortlich, den Schaden haben aber die Afrikaner zu tragen, da immer mehr Land unfruchtbar wird;
    Über Jahrhunderte haben die Kolonialmächte Afrika schändlich ausgebeutet und jetzt, da sie etwas zurück haben wollen, lassen wir sie in einer großen Zahl emotionslos im Mittelmeer ertrinken. Mein Vorschlag:
    Geben wir den Afrikanern einen kleinen Teil von dem zurück was wir ihnen im Laufe der Jahrhunderte gestohlen haben, sie könnten damit einen blühenden Kontinent aufbauen;
    Und was die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten anbelangt so kann man doch mit Fug und Recht behaupten, dass die westliche Politik und die Russlands dafür verantwortlich sind, ich denke hier auch die unsäglichen Waffenlieferungen;

    Also, behandeln wir die Flüchtlinge menschlich, denn in erster Linie haben wir ihnen gegenüber eine Schuld abzutragen!

    nb: Bin seit 15 Jahren als Ehrenamtlicher in der Flüchtlingshilfe tätig!

  • Karl Stadler says:

    Ja, Sie haben gewiss in vielem recht. Dem Hintersten und Letzten ist hinlänglich bewusst, dass wir in manche Verwerfungen andernorts teilwelise mitverstrickt sind. Aber der Grundtenor, der einem von seiten der Kirche über weiteste Strecken des Lebens hartnäckig eingetrichtert wird, ist, dass wir am Elend, das andernorts herrscht, weitgehend allein schuldig sein sollen. Von der Wiege bis zur Bahre wird man von seiten der Kirche gemassregelt, an die je eigenen Defizite und Fehler erinnert. Das war früher, bereits in der Jugend so, und es verhält sich auch heute noch weitgehend so. Bloss bilden nun teilweise andere Themen den Anlass zu solchen Therapien von Grundhaltungen. Und als Dessert gibt es dann jeweils noch ein wenig “Barmherzigkeits-Theologie” serviert, derart, dass Gott letztlich doch noch sich barmherzig zeigen und uns nicht stante pede ins Verderben spedieren werde, wenn wir uns nur demütig schuldig und einsichtig bekennen!

    “Tschinggä-Choscht”? Ich habe während mehreren Jahren insgesamt auf dem Bau gearbeitet, zusammen mit hemdsärmeligen, recht rauhen Typen. Dort hatte es neben Schweizern auch Italiener, Jugoslawen, aber auch Türken. Herrgott nochmal! “Tschinggä-Choscht” oder ähnliches gehörte schlicht und einfach nicht zum Slang, der damals von uns gepflegt wurde. Aber es gab eine viefältige, weil durch verschiedene Sprachen durchsetzte Kultur des Fluchens! Eine grossartige Kultur! Sie liess nicht selten die momentane innere seelische Befindlichkeit der erregten Person erahnen. Authentischer, tiefgehender als manches Feuilleton oder manche Kulturveranstaltung zeichnete sie die Konturen menschlichen Daseins nach!
    Die Schweizer, die ich damals erlebte, sahen in keinster Weise auf die ausländischen Mitarbeiter herab. Es konnte sehr wohl Probleme geben. Es war die Zeit 1975, 76 und 77. Lange bevor Jugoslawien auseinanderfiel. Wenn eine Eisenleger-Gruppe zusammengestellt wurde, musste darauf geachtet werden, dass sich nicht Serben und albanisch-stämmige Jugoslawen gleichzeitig darin befanden. Denn das kam meistens gar nicht gut. Das konnte tatsächlich ernsthafte Probleme geben, selbst wenn es sich ansonsten beidseits um äusserst liebe Kerle handelte. Aber das hatte mit den Schweizer-Büezern schlicht nichts zu tun.

    Wenn Franziskus schreibt: “Flüchtlinge und Migranten aufnehmen, beschützen, fördern und integrieren”, dann hat er zum Teil gewiss recht. Aber diese Aufgabe wird nur in kontrollierten Formen und begrenztem Umfang zu bewältigen sein. Im weitesten Sinne ist zu diesem Thema gerade ein Beitrag in der NZZ vom 9.11.2018 von Prof. em. Gunnar Heinsohn erschienen: “China überholt alle, und Europa schaut zu”. Oder gerade in diesen Tagen hat sich in Deutschland ein Mitglied der Bundesverfassungsgerichtes äusserst besorgt über die Entwicklung des Rechtsstaates in Deutschland gezeigt, weil in manchen Städten ganze Quartiere der Kontrolle des Rechtsstaates zu entgleiten drohen. Diese Entwicklung hat vorwiegend mit Migration zu tun und es wäre stark verkürzt, vom Schiff aus mit dem Argument “mangelnder Integrationsbemühungen seitens des Staates” erklären zu wollen. Migration im grossen Umfang erwies sich bereits in der Geschichte nie nur ausschliesslich als Chance, zog immer auch massive Probleme mit sich, seit der frühen Antike bis in die Gegenwart. Als historische Beispiele mögen bereits dienen das Buch Numeri, aber auch die Bücher Richter und Josua. Das waren bereits damals keineswegs friedliche multikulturelle Prozesse. Mark Aurel, ein toleranterer Herrscher als die meisten späteren christlichen Kaiser, verbrachte einen erheblicher Teil seiner Regierungszeit mit der militärischen Sicherherung der Grenzen. Hätte er es nicht getan, hätte später das römische Reich nicht als Raum für die Ausbreitung des Christentums zur Verfügung gestanden. Die Kolonisationen waren äusserst gewaltsame Migrationsbewegungen und vor diesen Entdeckungen fanden bereits sehr gewaltsame MIgrationsbewegungen innerhalb dieser Kontinente statt.
    Natürlich haben Sie recht, dass die hier lebenden Migranten anständig und freundlich behandelt werden wollen und sollen, obwohl, das sind höchst persönliche Erfahrungen, manche Migrantinnen und Migranten in Sachen Freundlichkeit auch nicht gerade positiv auffallen. Da wird nicht selten ein Gruss kaum erwidert. Das sind nicht einfach alles nur “kulturelle Verständigungsschwierigkeiten”. Denn es gibt auch ganz andere Beispiele.

    Aber warum überhaupt versucht die Kirche implizit immer wieder, unsere Grundinstinkte, die halt auch etwas Angst, Abwehr und gewiss auch Egozentrik beinhalten, abzuwerten, in ein schiefes Licht zu rücken? Als ob die gewöhnlichen Leute diese Instinkte weniger gut zu sublimieren im Stande wären als der Vatikan, die Politik oder die Kulturschaffenden? Das Wissen um die Gefährlichkeit dieser Instinkte ist bei den meisten sehr wohl vorhanden. Und sind denn unsere Instinkte allein für die ganzen Verwerfungen auf diesem Globus und für das Elend in dieser Welt verantwortlich? Solche Fragen dürfen nicht tabuisiert werden. Eines steht jedenfalls fest: Trotz kapitalistischer Weltwirtschaft, trotz Kolonialgeschichte usw., auch die Herkunftskulturen müssen mindestens so tiefgehend umdenken und andere Handlungsmuster sich aneignen wie der Norden, will man diese riesigen Ungleichheiten auch nur im Ansatz in den Griff bekommen.

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Walter Ludin

Walter Ludin, Kapuziner in Luzern. Redaktor der Eine-Welt-Zeitschrift ite und des franziskanischen Jahrbuchs „Franziskuskalender“. Freier Journalist. Kirchenblogger seit 2005. Themen: Kommentare und Glossen zu aktuellen kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen. Predigtauszüge. Aphorismen. Buchbesprechungen.

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