Heidy Greco-Kaufmann (links) und Elke Huwiler, die Herausgeberinnen des Bruderklausenspiels von Pfarrer Johann Zurflüe von 1601. (Foto: Romano Cuonz)
Heidy Greco-Kaufmann (links) und Elke Huwiler, die Herausgeberinnen des Bruderklausenspiels von Pfarrer Johann Zurflüe von 1601. (Foto: Romano Cuonz)

Weitere wichtige Quelle für die Rezeptionsgeschichte im 16. und frühen 17. Jahrhundert neu ediert

06.12.2017 – ein Blogbeitrag von Bruder Klaus und Gefährten

Der prächtige Gabentisch des Gedenkjahres ist vor wenigen Tagen um eine wertvolle Publikation bereichert worden. Die Germanistin Elke Huwiler und die Forschungsleiterin des Schweizerischen Archivs der Darstellenden Künste in Bern, Heidy Greco-Kaufmann, haben das 11’367 Verse umfassende Bruderklausenspiel von Johann Zurflüe von 1601 sorgfältigst transkribiert und legen uns dieses Werk in einem schönen und gehaltvoll gestalteten Buch nun vor.

Differenzierte Auseinandersetzung mit Niklaus von Flüe und mit Dorothee Wyss

Dieses umfangreiche Werk war bisher nur in kurzen Auszügen bekannt. Die erstmalige Herausgabe dieses zweitägigen Theaterstücks mit 101 Rollen enthüllt nun grössere Schätze und wertvollere Hinweise zur Rezeptionsgeschichte im späten 16. und beginnenden 17. Jahrhundert als je hätte erwartet werden dürfen. Während sich der Autor, der Sarner Pfarrer Zurflüe, im politischen Teil an das 1550 in Basel aufgeführte und mehrmals gedruckte Theaterstück «Der Weltspiegel» von Valentin Boltz anlehnt, zeichnet er Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss überraschend differenziert. Seine Darstellung über den inneren Kampf des Niklaus von Flüe und um das Ja seiner Frau geht weit über die damals bekannten und gedruckten Bruderklausen-Biografien hinaus. Mehr noch: In diesem Werk wird Dorothee Wyss erstmals als eigenständige Person fassbar.

Aufgrund der bekannten Quellen war auch ich bisher davon ausgegangen, dass Dorothee erstmals 1624 im Bruderklausenspiel von Johannes Mahler (Zug) aus dem Schatten des übermächtigen Partners trat. Ich freue mich sehr, dass wir auf Grund dieser Publikation nun feststellen dürfen, dass die Obwaldner Landleute bereits im späten 16. Jahrhundert – wenn nicht schon seit jeher – Dorothee Wyss als eigenständige und lebenskluge Partnerin an der Seite ihres Ehemannes sahen, der die Zustimmung zu seinem weiteren Lebensweg keineswegs leicht fiel.

Freuen wir uns über diesen weiteren Fund. Er zeigt einmal mehr, dass wir gut daran tun, mit grossem Respekt auf unsere Vorfahren zurückzublicken. Sie haben, gerade in der engsten Heimat des Ranfteremiten, die Erinnung an diesen grössten Obwaldner und seine Ehefrau wohl stets weit differenzierter und zugleich verständiger und verständnisvoller gepflegt als wir gemeinhin annehmen.

Roland Gröbli

Literaturhinweis

Boltz Valentin (2013): Der Weltspiegel. Herausgegeben von Friedricke Christ-Kutter, Klaus Jaeger und Hellmut Thomke. Zürich.

Greco-Kaufmann Heidy / Huwiler Elke (Hsg.) (2017): Das Sarner Bruderklausenspiel von Johann Zurflüe (1601). Kommentierte Erstausgabe. Zürich.

Huber, Werner T. (1994): Dorothea. Die Ehefrau des hl. Niklaus von Flüe. Freiburg Schweiz.

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Der Bruderklausblog wird von einer dreiköpfigen Redaktion in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Medienzentrum Zürich getragen. Die Redaktion besteht aus Urban Fink-Wagner, Geschäftsführer der Inländischen Mission, Roland Gröbli, Vorstandsmitglied und Präsident des Wissenschaftlichen Beirats des Trägervereins 600 Jahre Niklaus von Flüe, und Peter Spichtig op, Ko-Leiter des Liturgischen Instituts der deutschsprachigen Schweiz. Als Mitarbeitende konnten zahlreiche Historikerinnen und Historiker, Theologen und Theologinnen sowie weitere Spezialistinnen und Spezialisten aus der Schweiz und dem Ausland gewonnen werden. Diese werden unter dem Link Autorinnen/Autoren näher vorgestellt.

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