Cliffs of Moher
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Trilogie zum Abschied III

08.08.2018 – ein Blogbeitrag von Heinz Angehrn

b) Gruppenreisen und -Ausflüge

Völlig unabhängig von dem in ungehöriger Art und Weise vor eine Woche Geschriebenen – darum hatte ich auch die Kommentarfunktion nicht aktiviert – nun ein zweiter Punkt, bei dem mir in der Erinnerung ganze Wellen kalten Schauders den Rücken heraufkriechen: Die Art und Weise, wie anscheinend der grösste Teil der Tagesausflüge und Ferienreisen des homo helveticus verlaufen. Dies kann man nun nur noch kabarettistisch verarbeiten, was ich hiermit tue (realer Hintergrund sind Erlebnisse während einer 10tägigen Gruppenreise in meinem absoluten Lieblingsland, was Ihnen, liebe Lesende, vielleicht doch etwas näher bringt, warum dies so schrecklich war):

Eigentlich ist es dem homo heleveticus ganz egal, wohin Ausflug oder Reise führen. Theoretisch könnte es auch eine Blindreise oder eine Reise in permanentem Dunkel (etwa so 6 Stunden oder 10 Tage durch lauter Tunnels) sein, denn er hat primär nur zwei Fragen bzw. Interessen: a) Wo ist die nächste Beiz? b) Wo ist das nächste WC? Was sonst am Wegesrand liegt, ist – in scholastisch edler Art gesagt – noch ein bisschen Akzidenz, die Substanz aber das sind volle Teller und Gläser zum Füllen und einigermassen geputzte Orte zum Entleeren. Es ist auch nicht wichtig, ob da ein/e Reiseführer/in mit gutem historischen und kunstgeschichtlichem Wissen ist, viel wichtiger ist, ob diese Person immer auch den Weg zu den nächstgelegen Orten des erwähnten Füllens und Leerens kennt. Ja es ist sogar besser, die Person weiss und erzählt nicht zu viel, sonst könnte ja noch der Magen knurren.

Was muss man da erdulden, wenn man(n) bereit wäre, auch hinter Ginsterbüsche zu hocken oder mal mit einem beim Morgenbuffet mitgenommenen Brötchen über den Mittag hin ausdauernd an der irischen Küste zu wandern oder isländische Wasserfälle zu umkreisen. Vorwurfsvolle Blicke aus dem Innern des Reisecars, und dies von Menschen, die zudem völlig unzureichend bekleidet sind, keine Wanderschuhe, kein Gortex, kein Notvorrat. Ich muss es gestehen, liebe Lesende: Mich befielen immer wieder reine Mordgedanken.

So ist auch dieser Ruf ruiniert.

Heinz Angehrn
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Heinz Angehrn

Heinz Angehrn ist Priester des Bistums St. Gallen und lebt nach 37 Jahren im aktiven kirchlichen Dienst nun als Teilpensionierter im Bleniotal. Seit 2018 ist er Präsident der Redaktionskommission der Schweizerischen Kirchenzeitung, deren Neuauftritt er als St. Galler Vertreter in den letzten Jahren begleitet hat. Seine Hobbies sind Musik, Geschichte und Literatur. Er ist Mitglied der Grünliberalen.

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