Friedhof in Chania, Kreta.© Walter Ludin
Friedhof in Chania, Kreta.© Walter Ludin

Sterben

27.06.2018 – ein Blogbeitrag von Walter Ludin

Ungewöhnliche Menschen:

Sie leben, bis sie sterben.

 

Angst vor dem Sterben?

Was unsere Vorfahren konnten,

können wir auch.

 

Viele sterben an einer

Überdosis von Geburtstagen.

 

Wer gesund stirbt, hat mehr vom Sterben.

 

Woran wir nicht sterben,

damit müssen wir leben.

 

Lebensverlängernde Massnahmen um jeden Preis

führen zu einem ungesunden Sterben.

 

Wer alt ist, hat einfach Glück gehabt,

nicht schon früher zu sterben.

 

Wenn die Alten sterben,

wird ihr Platz nicht leer.

Wir nehmen ihn ein.

 

Wer will, dass seine Werte entdeckt werden,

muss sich verlieben

oder sterben und einen Nekrolog schreiben lassen.

Kommentare

  • Karl Stadler says:

    Ich finde diese Aphorismen sehr bedenkenswert! Manchmal, wenn man versucht, über den Tod ein wenig zu reflektieren, will es einem vorkommen, als bilde der Tod tatsächlich nicht ein prioritäres Thema, als er die je eigene Endlichkeit und Sterblichkeit betrifft. Epikur behauptet, dass uns der Tod im Grunde nichts angehe.
    Aber trifft diese Behauptung wirklich zu? Vermutlich geht es doch den allermeisten Menschen so, wahrscheinlich sogar kulturübergreifend, dass der Tod uns in vieler Hinsicht nicht am schwersten beschäftigt, soweit er unser je eigenes Ende beschlägt, als vielmehr, als er einen nicht wiederersetzbaren Verlust in unser Leben reisst: Das erzwungene Loslassen von einem geliebten Menschen, von Eltern, von einem eigenen Kind, von einer tiefen, tragenden Freundschaft usw. Vielleicht hat Epikur wirklich recht. Der Tod ist nicht vorab ein Thema für Sterbende.
    Wenn Epiktet in stoischer Denktradition sagt, “Der Tod ist nichts Furchtbares, sondern nur die Meinung, er sei etwas Furchbares, das ist das Furchtbare”, und dies wohl auf dem Hintergrund der wohl zutreffenden stoischen Lehre äussert, dass wir nur über das “Eigene” gebieten können, nicht über das uns “Fremde”, wie etwa unseren Körper, unseren Besitz, Ansehen, Machtstellung, aber auch das Schicksasl von uns Lieben, also über alles, was nicht von uns ausgeht, so hat er wohl, objektiv betrachtet, recht. Alle wissen es, allen ist diese Einsicht vertraut: Man mag noch so viel Vorsorge irgendwelcher Art treffen: sei es Gesundheit, Absicherung, Eingebundenheit im sozialen Raum, letztlich gebieten wir über keines dieser kostbaren Güter mit Sicherheit.
    Wenn man an einem kirchlichen Bestattungsgottesdienst teilnimmt, dann mutet das Abschiednehmenen von einem geliebten Menschen immer milder, tröstlicher an. Wenn jedoch Zweifel an der Gewissheit oder der Hoffnung auf eine nicht wirkliche Trennung einen zu umranken beginnen, dann verschiebt sich auf einen Schlag die Bedeutung eines solchen Rituals und es beginnt die Last der Kontingenzbewältigung zu drücken. Wer weiss, vielleicht sind es gerade diese Umstände, die uns manchmal zu etwas mehr Solidarität, mit wem auch immer, zu animieren vermöchten?

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Walter Ludin

Walter Ludin, Kapuziner in Luzern. Redaktor der Eine-Welt-Zeitschrift ite und des franziskanischen Jahrbuchs „Franziskuskalender“. Freier Journalist. Kirchenblogger seit 2005. Themen: Kommentare und Glossen zu aktuellen kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen. Predigtauszüge. Aphorismen. Buchbesprechungen.

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