Blick auf den Stanser Dorfplatz (erbaut nach 1713) auf einer Postkarte von 1909. (Quelle: www.ak-ansichtskarten.de)
Blick auf den Stanser Dorfplatz (erbaut nach 1713) auf einer Postkarte von 1909. (Quelle: www.ak-ansichtskarten.de)

«Stanser Verkommnis»: Der Abschluss eines einzigartigen Jahres naht

18.12.2017 – ein Blogbeitrag von Bruder Klaus und Gefährten

In wenigen Tagen, vor 536 Jahren, wird die Tagsatzung der acht eidgenössischen Orte, den ersten gemeinsamen Bündnisvertrag verabschieden (das eigentliche «Stanser Verkommnis») und dem separaten Bündnisvertrag mit Freiburg und Solothurn zustimmen. Ich schreibe von den acht (eidgenössischen) Orten, denn von den acht alten Orte wird erst 1505 die Rede sein. Dannzumal ging es darum, diese acht Orte von den neuen Orten Basel, Freiburg, Solothurn und Schaffhausen zu unterscheiden (zu denen 1513 Appenzell stiess). Selbst in diesem Detail zeigt sich, dass 1481 entscheidende Weichenstellungen in Gang kamen.

Am meisten Tagsatzungen um 1480

Wie Prof. Andreas Würgler in seiner hervorragenden Arbeit über die eidgenössischen Tagsatzungen aufzeigt, gehörte die Zeit um 1480 zu den Jahren mit den meisten eidgenössischen Tagsatzungen überhaupt (gegen 30 pro Jahr!). Dies widerspiegelt die Unsicherheit der Zeit, selbst das Klima spielte verrückt und führte zu Überschwemmungen und langen Hitzeperioden (siehe die Blogbeiträge von Mario Slongo vom 29. November und 1. Dezember 2017).

Mehr noch: Für das Jahr 1480 lässt sich aus den Tagsatzungsprotokollen die höchste Anzahl ausländischer Gesandten nachweisen (genau 30). Die Nachbeben, die der Tod von Karl dem Kühnen (1433–1477) verursachte, erschütterten nicht nur die Eidgenossenschaft, sondern auch Savoyen und Frankreich, zwei Nachbarn an der Westgrenze der damaligen Eidgenossenschaft. Viel galt es zu besprechen und in Betracht zu ziehen; höchste Zeit, dass der unselige Streit der Städte und Länderorte ein Ende nehme und Ruhe und Friede wieder einkehre.

Wie ich im Bruderklausen-Blog vom 24. November bereits aufzeigte, wurden auf den 18. Dezember die Delegierten der Tagsatzung mit klaren Kompetenzen erwartet, denn der politische Durchbruch zur eingangs skizzierten Lösung war nach vierjährigen Verhandlungen und fünf Vertragsentwürfen an der Tagsatzung vom 30. November 1481 erzielt worden. Luzern lag besonders an einer raschen Lösung. Nicht weniger als acht Delegierte schickte es nach Stans. Das «Stanser Verkommnis», das nurmehr der formellen Zustimmung bedurfte, war für den Schluss der mehrtägigen Tagsatzung angesetzt. Vorher standen zahlreiche andere Geschäfte auf der Agenda. Ein einzigartiges Jahr, das bis zuletzt viel Arbeit bescherte, forderte noch einmal vollen Einsatz.

Roland Gröbli

Literaturhinweis

Ernst Walder (1994): Das Stanser Verkommnis. Ein Kapitel eidgenössischer Geschichte neu untersucht: Die Entstehung des Verkommnisses von Stans in den Jahren 1477 bis 1481. Stans.

Andreas Würgler (2013): Die Tagsatzung der Eidgenossen, Politik, Kommunikation und Symbolik einer repräsentativen Institution im europäischen Kontext (1470–1798).

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Der Bruderklausblog wird von einer dreiköpfigen Redaktion in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Medienzentrum Zürich getragen. Die Redaktion besteht aus Urban Fink-Wagner, Geschäftsführer der Inländischen Mission, Roland Gröbli, Vorstandsmitglied und Präsident des Wissenschaftlichen Beirats des Trägervereins 600 Jahre Niklaus von Flüe, und Peter Spichtig op, Ko-Leiter des Liturgischen Instituts der deutschsprachigen Schweiz. Als Mitarbeitende konnten zahlreiche Historikerinnen und Historiker, Theologen und Theologinnen sowie weitere Spezialistinnen und Spezialisten aus der Schweiz und dem Ausland gewonnen werden. Diese werden unter dem Link Autorinnen/Autoren näher vorgestellt.

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