Leere Kirchenbänke | pixabay.com CC0
Leere Kirchenbänke | pixabay.com CC0

Social-Media als Mittel gegen leere Kirchenbänke?

28.11.2018 – ein Blogbeitrag von Kirche kommuniziert

Immer mehr Menschen in der Schweiz und über die Landesgrenzen hinweg bezeichnen sich als konfessionslos. Der Stellenwert von Religion und Spiritualität in der Gesellschaft hat sich in den letzten 30 Jahren stark verändert. Kritische Stimmen, die Veränderungen in der Kirche fordern, werden lauter. Erst kürzlich sind sechs bekannte Theologinnen aus Protest aus der katholischen Kirche ausgetreten. Die Kirche steht vor einem schwierigen «Turnaround»,  der aber nötig ist, damit sie zukunftsfähig bleibt. Kann Social-Media die Kirche wieder interessanter machen?

Leidet die Kirche am «Exodus»?

Die katholische Kirche leide am «Exodus», so schrieb es die NZZ in einem Beitrag über Kirchenaustritte. Zwar können wir in der Gesellschaft einen Trend zur Kirchendistanzierung feststellen, eine solche Pauschalisierung ist jedoch zu kurz gefasst. Obwohl der Anteil der Konfessionslosen in den letzten knapp 30 Jahren von rund 7 Prozent auf 25 Prozent gestiegen ist (Quelle: Bundesamt für Statistik), bleibt der Anteil der beiden grossen Konfessionen an der Gesamtbevölkerung mit über 60 Prozent hoch. Gemessen in absoluten Zahlen ist der Mitgliederbestand der katholischen Kirche in den letzten Jahrzehnten sogar gestiegen (von rund 2,1 Mio. Mitglieder 1970 auf 2,5 Mio. Mitglieder 2016).

Trotz dieser ermutigenden Zahlen für die katholische Kirche bleiben viele Kirchenbänke in Gottesdiensten leer. Laut einer 2014 vom Bundesamt für Statistik durchgeführten Studie zur Teilnahme an Gottesdiensten gaben über 40 Prozent der befragten Katholikinnen und Katholiken an, maximal fünfmal pro Jahr einen Gottesdienst aufzusuchen. Doch was sind die Gründe für die Abstinenz?

Glauben im Web 2.0

Die Kirche hat es heute schwerer, ihre Glaubensbotschaften zu verbreiten. Zum einen mag das daran liegen, dass immer weniger Katholikinnen und Katholiken regelmässig einen Gottesdienst besuchen. Doch das allein reicht für eine Begründung nicht aus. Kirchen müssen verstehen, dass sich Gläubige verändern und dass es neue Formen der Kommunikation gibt. Als «Digital Immigrant», als digitaler Einwanderer in einer Zeit, in der schon eine ganze Generation mit dem digitalen Wandel aufgewachsen ist, fällt es der Kirche schwer, Botschaften zu transportieren. Doch warum eigentlich? Mit seiner Vielzahl an Möglichkeiten bietet das Social-Web ein für Kirchen ideales Umfeld, Gläubige jeden Alters anzusprechen.

So verschickte das Katholische Medienzentrum im Jahr 2015 die Apostelgeschichte zu Pfingsten via Instant-Messenger WhatsApp. Das Resümee zur Aktion fiel durchweg positiv aus, wie man auf kath.ch nachlesen kann. Viele der Schweizer Bistümer unterhalten eine eigene Facebook-Page, auf der sie ihre Gläubigen mit Informationen, Impulsen und multimedialen Inhalten unterhalten. Papst Franziskus lebt uns als moderner «Influencer» vor, wie man Botschaften digital transportiert. Mit seinen in neun Sprachen verfügbaren Twitter-Kanälen erreicht der Pontifex über 40 Millionen Menschen weltweit. Mehr als die meisten politischen Meinungsmacher. Auch das katholische YouTube-Projekt «underkath» hat innert kürzester Zeit viele neue «Fans» hinzugewonnen.

Glaube bewegt und interessiert die Menschen aller Altersklassen – immer noch. Doch treffen wir viele von ihnen nicht mehr in einer Kirche, sondern im «World Wide Web», in Gruppen auf Facebook, auf Instagram-Profilen oder WhatsApp.

Neue Wege gehen

Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kirchlichen Institutionen sollte Social-Media-Arbeit selbstverständlich sein. Es ist die zeitgemässe Form, sich den Gläubigen mitzuteilen. Und notwendig, um zukunftsfähig zu bleiben. Franziskus fordert die Kirche auf, sich noch mehr den digitalen Medien zu öffnen, «um mit den Menschen von heute im Gespräch zu sein.» Dafür braucht es den Dialog. Und Aufmerksamkeit. Und ganz besonders Bereitschaft, neue Wege zu gehen und Dinge auszuprobieren.

 

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