Die Texte der Synode 72, Bistum Basel. © Walter Ludin 2018
Die Texte der Synode 72, Bistum Basel. © Walter Ludin 2018

Rückblick auf die Synode 72

01.12.2018 – ein Blogbeitrag von Walter Ludin

Braucht es eine Synode 2020?

Am letzten Samstag im November führte die Tagsatzung.ch in Zürich eine Tagung über die Partizipation in der Kirche durch. Ausgangspunkt war das baldige 50-Jahr-Jubiläum der Synode 1972 in der Schweiz. Der Verein Tagsatzung.ch macht sich dafür stark, dass auf das Jubiläum im Jahr 2022 hin eine neue Synode die brennenden Themen der Kirche und der Gesellschaft diskutiert. (www.tagsatzung.ch)

Ich durfte an der Versammlung ein Kurzreferat halten über meine Erfahrungen an der Synode 72. Damals war ich Pressechef der Synode im Bistum Basel. Hier einige Abschnitte:

Ich bin sehr dankbar, dass ich hier über die Synode 72 sprechen darf. Wenn ich das sage, ist es nicht bloss eine Floskel. Nein, es ist mir ein Bedürfnis, weil das es nicht selbstverständlich ist, wenn hier die Synode 72 zur Sprache kommt. Vor über 15 Jahren sagte mir ein Mann aus dem – sagen wir – mittleren Kader des Bistums Basel: «Du mit deiner Synode 72. Schon lange ists her. Wir haben andere Zeiten.» Ich kam mir vor wie ein Veteran, der von der «Aktiv-Dienstzeit» schwärmt ….

Ja, Recht hatte er, schon lange ists her. Umso mehr denke ich nicht nur mit Nostalgie, Dankbarkeit und etwas Stolz auf diese Zeit zurück; aber auch mit Wut, Enttäuschung. Es ist beispielsweise dann der Fall, wenn jemand sich fortschrittlich fühlt, wenn er sich für eine bessere Behandlung von geschiedenen Wiederverheirateten einsetzt; oder wenn der Papst auch nur in einer Fussnote sich darüber Gedanken macht. Ich frage mich dann, in welcher Welt oder in welchem «Betrieb» wir arbeiten.  Denn vor vielen, vielen Jahren hat unsere Synode das auch gesagt und wohl noch etwas deutlicher. Aber es ist nichts geschehen, auch nach so langer Zeit.

(…)

Ich kann hier nicht eine Bilanz der Synode 72 liefern. Es müsste lange von verpassten Chancen die Rede sein; vor allem davon, dass der Vatikan kein Gehör hatte für ihre Vorschläge, vor allem auch für die Schaffung eines schweizerischen Pastoralrates – obwohl die Bischöfe sich redlich darum bemühten. Ich erinnere mich an das 1. Gesamtschweizerische Pastoralforum von 1978 in Einsiedeln, das auf die Synode und ihre Ergebnisse zurückschaute. Diplomatisch sagte der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Pierre Mamie, es sei aus Rom «noch keine definitive Antwort eingetroffen». Im Klartext: Die Antwort war enttäuschend und wir haben sie nicht akzeptiert.

Trotz diesen Aspekten war die Synode keineswegs vergebens. Nur zwei Dinge dazu:

  • Zusammenhalt in der Kirche Schweiz wuchs, dank dem System der Interdiözesanen Koordination auch über die Sprachgrenzen hinaus. Als Journalist profitierte ich noch viele Jahre davon. Wenn ich über ein Thema recherchierte und einen ehemaligen Synodalen anfragte, war das Echo immer sehr freundlich bis freundschaftlich.
  • Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wie sehr das Selbstbewusstsein der Laien und Laiinnen durch die Mitsprache bei der Synode gewachsen ist. Am erwähnten Auswertungstreffen von Einsiedeln erlebt ich etwas, was ich nie vergessen werde. Bischof Mamie gab auf die Frage einer ehemaligen Synodalin, einer – Entschuldigung – einer «einfachen» Katechetin aus einer Aargauer Landpfarrei eine Antwort, die sie nicht befriedigte. Die Frau insistierte und liess den Bischof erst wieder an seinen Platz, als er eine bessere Antwort gegeben hatte. Vor der Synode war so etwas überhaupt nicht vorstellbar.

Ein Satz zum Schluss: In einem Artikel, den Willy Büntner 25 Jahre nach der Synode publizierte, heisst es: «Die für das nächste Jahr geplante Tagsatzung im Bistum Basel weckt die Hoffnung, dass der Geist der Synode wiederkehrt.»

Auch darüber lässt es sich diskutieren.

Kommentare

  • Ilse Sixt Oberpframmern says:

    Braucht es eine Synode? Meine Meinung: NEIN!
    Mit der Feststellung: Sexualität ist ein Geschenk Gottes – ist es Papst Franziskus gelungen, die
    Schallmauer der Unmenschlichkeit in der Institution Katholische Kirche zu durchbrechen. Gott kann eben das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln und die Buchstabenreligion durch die Liebe beleben. Fazit: Auch die Institution Katholische Kirche besteht aus Menschen!!!
    Kleriker werden nach der Priesterweihe keine Überirdischen, wenn sich auch manche hohe Würdenträger dafür halten! Wer sich von der Wahrheit nicht besiegen lässt, der wird vom Irrtum besiegt.

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Walter Ludin

Walter Ludin, Kapuziner in Luzern. Redaktor des franziskanischen Jahrbuchs „Franziskuskalender“. Von 1992  bis 2018 Redaktor der Eine-Welt-Zeitschrift ite. Freier Journalist. Kirchenblogger seit 2005. Themen: Kommentare und Glossen zu aktuellen kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen. Predigtauszüge. Aphorismen. Buchbesprechungen.

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