Religion und Körper: das neueste ite ...

11.02.2019 – ein Blogbeitrag von Walter Ludin

Soeben erschien die erste Ausgabe von 2019 der Eine-Welt-Zeitschrift ite, die ich während 26 Jahren redigiert habe. Es ist das erste Heft, das ohne meine Mitarbeit redigiert wurde. (Beim vorausgehenden Heft über den Islam habe ich noch bei der Konzeption beratend mitgewirkt.)

Ich darf erfreut feststellen: Es geht auch ohne mich. Die beiden aktuell Verantwortlichen leisten sehr gute, kreative Arbeit: mein Mitbruder Adrian (»Ädu») Müller und mein «alter» Freund Beat Baumgartner, der u.a. jahrelange Erfahrungen als Redaktor des «Wendekreis» mit sich bringt.


Hier der Pressetext zur neuesten Nummer:

Körper und Religion

Die Bedeutung unseres Leibes für Glaube und Spiritualität

Körper und Religion, dies ist ein spannungsgeladenes Thema, nicht nur im Christentum. Immer wieder in der Kirchengeschichte haben Menschen alles versucht, um den «Versuchungen des Fleisches» zu widerstehen und so näher bei Gott zu sein. Heute kommt man auch im Christentum langsam zu einem entspannteren und positiveren Verhältnis zu Körper, Sinnlichkeit und Erotik. Davon zeugen die Beiträge in der neuesten Ausgabe von ITE. Es geht unter anderem darum, wie wichtig der Körperausdruck in Liturgie, im Exerzitienprozess oder im Yoga ist, wie der heilige Franziskus und die heilige Klara mit ihrem Körper und der Schöpfung im Allgemeinen umgingen oder wie eine moderne, christliche Ehetheologie aussehen könnte. So schreibt Martina Kreidler-Kos in ihrem Beitrag: «Die Idee, dass der Körper ein kostbares Geschenk Gottes ist, Gott, der die menschliche Körperlichkeit so schätzt, dass er sie selbst angenommen hat, diese Idee könnte uns heute wirklich weiterhelfen.»

Gratis-Probenummern bei: Missionsprokura Schweizer Kapuziner, Postfach 1017, 4601 Olten. Telefon: 062 212 77 70. E-Mail: abo@kapuziner.org

Eine Auswahl von Artikeln unter: www.ite-dasmagazin.ch


Eine Würdigung meiner Arbeit durch Fidelis Stöckli, der viele Jahre Missionssekretär unserer Kapuzinerprovinz war:

Die Wahrheit sagen – auch ohne harte Worte

Walter Ludin ist nach 27 Jahren als Chefredaktor des ite zurückgetreten (siehe auch Interview in ite 4/2018). Wir Kapuziner werden Walter als Schreiberling vermissen. Wie ein Vogelauge hat er Welt, Kirche und Orden überblickt.

 Walters journalistische Tätigkeit geht weit übers ite hinaus. Doch ich beschränke mich aus aktuellem Anlass aufs iTe und benütze als Quelle nur die Editorials der 135 Ausgaben unter seiner Leitung (von 1992-2018). Schon diese zeigen mir seine erstaunlich breiten Interessen. Walter hat immer aktuell geschrieben. Weltkongresse, Reisen, Schwerpunkte von Fastenopfer/Brot für alle und MISSIO, Jubiläen regten ihn zu Berichten und Kommentaren an.

Walter reiste viel. Da und dort hielt man ihm vor, er sei auch gar oft auf Reisen. Er antwortete so präzis wie er schreibt: Es komme auch keiner so viel heim wie er. Ich versuche einzelne Schwerpunkte seiner Redaktionszeit mit Beispielen zu belegen.

Soziale Notstände aufzeigen
Ich fange mit dem Sozialen an. Soziale Notstände lockten Walter Ludin aus dem Busch. Ein breites Spektrum von Notleidenden zieht an uns vorüber. ite bringt ihre Sorgen zur Sprache und mahnt. Walter war dafür besonders sensibel. Es entstanden Hefte über das Leben in Millionenstädten, zu Landproblemen, zu Armut, Hunger und Krieg. Er kam zu sprechen auf Aids, Drogen, Flüchtlinge, ethnische Säuberung, Zwangsheiraten, Schutz der Kinder. Walter Ludin forderte das Recht auf Nahrung, Wasser, menschenwürdige Arbeit und Menschenwürde für alle.

ite erweist auf mangelnde Gleichberechtigung von Frauen oder von Indianern in Lateinamerika. Es zeigt auf Folgen des Neokolonialismus, von Monokulturen, von der Preisdiktatur des Westens und rücksichtlosem Ausbeuten von Bodenschätzen und Schäden durch Pestizide. Bruder Walter geht es um die «eine Welt». Er kommt auf Kommunikation, Einfluss kultureller Unterschiede, Werte und Gefahren bei Vernetzung und Globalisierung zu sprechen.

Walter verfolgte die Kongresse zu «Gerechtigkeit, Frieden, Schöpfung». Er hat ihre Anliegen aufgenommen, etwa zu den Themen Schutz der Umwelt oder Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen. Er unterstützte regelmässig die Aktionen von Fastenopfer/Brot für alle und mit Hilfe von Br. Bernard Maillard, Redaktor der französischen Ausgabe «Frères en marche», die MISSIO.

Ruhige Reaktion auf erboste Leserzuschriften
Neben vielen dankbaren Zuschriften erntete der Chefredaktor dann und wann auch erboste bis hässige Rückmeldungen, besonders wenn er nach Empfinden der Leser sich auch gar stark links hinauslehnte. Walter fing den Ball ruhig auf und wusste seine Position zu verteidigen. ite zeigt, dass Bruder Walter das «Gehen an den Rand» von Papst Franziskus schon lange vorausgenommen hatte. Die Enzyklika «Laudato sì» zu Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfung» bestätigt seinen Kurs.

Evangelisierung, Kirche, Orden und unsere Brüder in den jungen Kirchen kamen bei Walter nicht zu kurz. Kirche und Orden weltweit bilden einen zweiten Schwerpunkt von ite. Bruder Walter hat von kirchlichen Entwicklungen in fernen Ländern berichtet. Er beobachtet, wie die jungen Kirchen selbständig werden, die Missionare ablösen und eigene Akzente im kirchlichen Leben setzen. Er führte uns über die Grenzen von Religionen, Konfessionen und Orden hinaus. Uns Kapuziner sieht er innerhalb der franziskanischen Familie. Wir finden ite-Nummern zum Christentum, Islam, Hinduismus.

ite berichtete vom Weltkirchenrat und ökumenischen Versammlungen: Basel, Graz, Rio, Canberra. Etwa zwanzig Nummern erzählen von uns Kapuzinern in Tansania. Andere über jene auf den Seychellen, von Tschad, Indien, Kenia, Osteuropa, Zentralafrika, und Arabien. Das immer vor dem Hintergrund des politischen, sozialen und kirchlichen Lebens im Land.

Klar, sachlich, kritisch und versöhnend
Ich habe Walters gut informierende Berichte aus Bischofssynoden, Studientagungen, Ordenstreffen sehr geschätzt. Immer klar, sachlich, kritisch, entspannt und versöhnend. Walter hatte den Mut, die Wahrheit zu sagen – ohne harte Worte. Wo Schlimmes zu berichten war, wies er auch auf positive Aspekte hin. Als Aufhänger für die Editorials benützte Walter gerne eigene Erlebnisse. Er schrieb als Beobachter mit klarem Blick auf Arme und Zurückgestellte. Er war offen für Neues. Wo er von Not und Mängeln sprach, zeigte er auch die guten Entwicklungen. Ich denke an die Nummern, in denen er vom Selbständigwerden junger Kirchen und Ordenszweige in den südlichen Ländern schrieb. Er förderte Verständnis für Muslime, Migranten und half Ängste abbauen

Bei solcher Fülle von Themen staune ich über Walters Ordnung im Büro. Nichts auf dem Pult als der Laptop – alles schlank wie er selber. Erledigtes wird entsorgt, nur was noch Stoff bieten könnte bleibt. Grosszügig gibt er Infos weiter. Mich hat er oft auf Interessantes aufmerksam gemacht.

Ich hoffe, dass Walter Ludin nach dem Wechsel in der Redaktion seinen Laptop noch lange nicht schliesst.

Fidelis Stöckli

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Walter Ludin

Walter Ludin, Kapuziner in Luzern. Redaktor des franziskanischen Jahrbuchs „Franziskuskalender“. Von 1992  bis 2018 Redaktor der Eine-Welt-Zeitschrift ite. Freier Journalist. Kirchenblogger seit 2005. Themen: Kommentare und Glossen zu aktuellen kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen. Predigtauszüge. Aphorismen. Buchbesprechungen.

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