die Kirche «meiner» Pfarrei Abtwil
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Nachklänge

06.06.2018 – ein Blogbeitrag von Heinz Angehrn

Unser Stadtdekanat weilt – während dieser Beitrag hier erscheint – in der jährlichen grossen Weiterbildung in Batschuns im benachbarten Vorarlberg. Das Thema der diesjährigen Weiterbildung lautet: «Change – Zeichnet sich eine neue Relevanz der christlichen Kernbotschaft ab?» Im Kern der Tagung steht so die Frage, was aus pastoraler Sicht in Veränderungszeiten für den christlichen Glauben unverzichtbar ist und was losgelassen werden kann/soll. Stadtpfarreien sind von diesen Fragestellungen härter und früher getroffen als Landpfarreien. In einem so stark vom ländlichen Raum geprägten Bistum wie St.Gallen ist die einzige grössere Stadt mit ihren elf Pfarreien darum das Experimentierlabor. Bereits die fünf Vorortpfarreien, die auch noch zum Dekanat gehören, sind deutlich weniger betroffen, da die demographischen Veränderungen dort ganz anders wirken.

Der Schreibende verabschiedet sich an dieser Tagung vom einzigen Dekanat, zu dem er in seinem Leben gehört hat. Die ganzen 37 Jahre lang war ich sein Mitglied (von 1996 bis 2004 sein Dekan) und habe die kircheninternen demographischen Veränderungen (1981 betrug das Verhältnis Kleriker zu Nichtkleriker fast 90:10 Prozent, heute ist es de facto 5:95%!) voll miterlebt. 1982 war der Saal am Abend vom Zigarrenrauch der jassenden Pfarrer so erfüllt, dass man kaum etwas sah, heute eilen die Jugendarbeiterinnen und Religionspädagoginnen in den Pausen mit ihren Zigaretten nach draussen. Die Referenten waren damals gelehrt referierende ältere Professoren-Herren, heute lassen sich Prozessbegleiter/innen für ein paar Inputs und Aufstellungsübungen fürstlich entlöhnen. Zum Dekan wurde damals das dominierende Macho-Alphatier gewählt, heute gibt es gar keine Auswahl, man muss einfach den Priester nehmen, der überhaupt wählbar ist. Die Frage «Change» der diesjährigen Tagung betrifft auch die Teilnehmenden selber. Es war/ist sehr vieles verzichtbar.

Ab dem August dieses Jahres wohne ich dann im Dekanat (vicariato) «Tre valli», eine der sechs Verwaltungseinheiten der Diözese Lugano, die geschichtsbedingt Wandel ganz anders erlebt hat und erlebt. Das 19.Jahrhundert etwa wehte mit seinem radikalen (politisch gemeint – PLR) und antiklerikalen Wind heftig bis in die Täler hinein! Von den 255 Pfarreien ist wohl ein guter Drittel so klein, dass dort schon länger fast alles pfarreiliche Leben auf den Schultern von Freiwilligen ruht.

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Heinz Angehrn
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Heinz Angehrn

Heinz Angehrn ist Pfarrer und Teamkoordinator in der Seelsorgeeinheit St. Gallen West-Gaiserwald im Stadtdekanat St.Gallen. Seit 35 Jahren im kirchlichen Dienst stehend, hat er in der Kirche Schweiz unzählige Funktionen wahrgenommen. Zurzeit ist er Mitglied der Redaktionskommissionen der Schweizerischen Kirchenzeitung und des diözesanen „Forums“ sowie Mitglied im Dekanatsteam, das für Lebensraumorientierte Seelsorge (LOS) in der Region St. Gallen zuständig ist.

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