in Weite gewandelt... Quelle: Pixabay.com, CC0-Lizenz
in Weite gewandelt... Quelle: Pixabay.com, CC0-Lizenz

«Meine engen Grenzen...» – und die Freude am Risiko

12.06.2018 – ein Blogbeitrag von Karin Reinmüller

«Meine engen Grenzen», so beginnt ein bekanntes christliches Lied, das zugleich ein Gebet ist – «wandle sie in Weite» wird da weiter gesungen. Allerdings bin ich mir ziemlich oft gar nicht sicher, dass ich das von Gott erbitten möchte – «akzeptier sie bitte» würde doch von der Silbenzahl her genauso passen! Und mir weniger Probleme machen.

Mit den Grenzen ist das so eine Sache. Wer erlebt hat, dass ihre Grenzen schmerzhaft verletzt wurden, womöglich immer wieder, oder wer so lange über seine Grenzen gegangen ist, bis nichts mehr ging – der braucht und wünscht sich nichts mehr, als dass die eigenen Grenzen erstmal gesehen und geachtet werden. Auch im Glauben, auch von Gott. Grenzen haben dürfen kann befreiend sein.

Aber irgendwann bekommt das Leben innerhalb der Grenzen was von Routine. Die Sicherheit und Vertrautheit wird erkauft mit dem Verdacht, dass noch viel mehr an Leben möglich wäre im Leben – wenn nicht diese Grenzen wären. Also doch darum bet-singen, dass sie geweitet werden.

Und: Freude am Grenzen erweitern entdecken. Das ist gerade in kirchlichen Kreisen nicht immer einfach, weil das Grenzen-Achten da vielen zu Recht so wichtig ist. Aber Grenzen selber überschreiten, selber weiten, nicht voll Angst gezwungen, sondern wie in einem Spiel Risiken eingehen und Freude daran haben – das gibt uns mehr Freiheit. Und mehr Mut. Und erfüllt damit zwei Kriterien dafür, wohin Gott mit uns gehen will.

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Karin Reinmüller

Karin Reinmüller ist Physikerin, Software-Ingenieurin und neu auch Theologin. Sie schreibt als Pastoralassistentin über den ihr noch recht unbekannten "Planeten Pfarrei" und über ihre Versuche, Glauben und Leben zusammenzubringen.

Im Blog von Karin Reinmüller

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