Konzil: Kein historisches Relikt, sondern Bezugspunkt lebendiger Auseinandersetzung

29.12.2015 – ein Blogbeitrag von Konzilsblogteam

Der sensus fidei als Interpret des Konzils: Giuseppe Alberigo äusserte sich in diesem Sinne 1999 zur Frage der Rezeption des Konzils. «Mehr als 30 Jahre nach Abschluss des Vaticanum II ist es eine dringende Aufgabe, die aufsprengendsten und fruchtbarsten, aber auch verborgensten Beiträge sichtbar zu machen. Anstelle einer Hypostasierung des Konzils und seiner Beschlüsse in einer abgeschlossenen und unveränderlichen Vergangenheit impliziert der erst begonnene Rezeptionsprozess eine unaufhörliche Entdeckung der alten und neuen Reichtümer, wie es auch nach allen grossen Konzilien von Nizäa bis Chalcedon und Trient geschehen ist.»
Auffällig ist, dass Alberigo nach dem Subjekt der Konzilsrezeption fragt und hier den sensus fidei stark betont. Die grossen Konzilien seien immer erst im Nachhinein, in einer kreativen Spannung zwischen Konzilsergebnissen einerseits und den jeweiligen kirchlichen Erfordernissen und Situationen andererseits fruchtbar geworden. Der sensus fidei habe dabei jeweils grosses Vertrauen in die lebendige Wirksamkeit der Konzilsversammlungen gehabt. «Jede nachkonziliare Phase stellt eine Gelegenheit dar, die konziliare Erfahrung auf die gesamte kirchliche Wirklichkeit auszudehnen; das geschieht (…) nicht im Einbahnverkehr, sondern gemäss einer zirkulären und überkreuz gehenden Dynamik, in der jeder Gläubige und jede Gemeinschaft Subjekt und Objekt zugleich ist.» Daraus folgt für Alberigo: «Nur der sensus fidei der ganzen Kirche kann das angemessene Subjekt der Interpretation eines grossen Konzils sein. Ein sensus fidei, der nicht anders als mit dem Beitrag des ganzen Volkes Gottes langsam reifen und der nicht durch Akte der Hierarchie allein ersetzt werden kann.»
(ab; Giuseppe Alberigo: Treue und Kreativität bei der Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils. In: Antonio Autiero (Hrsg.): Herausforderung Aggiornamento, Altenberge 2000, 13-35)

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