Der hl. Johannes und der Kelch, Gemälde von El Greco um 1650. (Foto: public domain)
Der hl. Johannes und der Kelch, Gemälde von El Greco um 1650. (Foto: public domain)

Johanneswein: ein Liebessegen für jedes neue Anno Domini

27.12.2017 – ein Blogbeitrag von Bruder Klaus und Gefährten

Das heutige Johannes-Fest beschert dem Bruder-Klausen-Blogger ein typisch katholisches Happy-End: fragwürdiges halb-heidnisches Traditionsgut wie das der Johannesminne wird theologisch umgedeutet und erfreut sich so neuer Beliebtheit.

Die «Legenda aurea», Heiligenvitensammlung und christlicher Jahrtausend-Bestseller schlechthin, berichtet vom Giftwunder des Johannes. Der Evangelist habe sich geweigert, in einem Artemistempel zu opfern. Deshalb nötigte man ihn, aus einem vergifteten Kelch zu trinken. Als er ein Kreuz über dem Kelch schlug, entwich das Gift als Schlange und Johannes kam lebend davon.

Bis heute hält sich im deutschsprachigen Raum der Brauch, am heutigen Johannesfest Wein zu segnen. Zu Niklaus von Flües Zeiten wurde der Johanniswein den Gläubigen nach der Messe gereicht: das einzige Mal im Jahr, an dem Laien (Kinder gar!) in der Kirche Wein zu trinken bekamen – wohlbemerkt nicht das eucharistische Blut Christi, das allein dem Priester vorbehalten war, sondern eben der gesegnete Johanneswein oder -segen, dem heilende Kräfte zugeschrieben wurden. Über das Fest hinaus wurde er als Medizin bei Schwächeanfällen und anderen Krankheiten verabreicht.

So kann es nicht wirklich wundern, dass Niklaus von Flüe bei dessen Fastenprüfung durch Weihbischof Thomas 1469 neben dem Verzehr dreier Bissen Brot mutmasslich auch «sante Johannes segen» zu trinken aufgegeben wurde. In so einer seltsamen Sache wie Klausens Fastenwunder konnte es ja vielleicht nicht schaden, ein Mittel anzuwenden, dem man zutraute, böse Geister zu vertreiben.

Wenn auch heute am Johannestag noch Wein gesegnet wird, so geschieht das inzwischen mit anderer Intention und Deutung. Der seit Urzeiten auch Johannesminne geheissene Wein möge jene, die ihn trinken, erfahren lassen, «dass du der Gott bist, der die Herzen der Menschen froh macht und Gemeinschaft stiftet» (so das aktuelle Segensgebet). Das Johannesevangelium ist denn auch jenes mit der reifsten «Christusmystik». So vermag ein heute gesegneter Wein, den wir zu Ehren des Lieblingsjüngers Jesu trinken, durchaus zu einem eucharistischen Zeichen werden. Seine frohmachende und gemeinschaftsstiftende Bedeutung ist zurück gebunden an das Zeugnis jenes Evangelisten, der die Agape, die Liebe Gottes zu uns Menschen, am tiefsten erfasst hat.

Noch besser freilich gelingt dies, indem man vorher am Tisch des Herrn das eucharistische Brot, den Leib Christi, und den eucharistischen Wein, sein Blut, kommuniziert – etwas, was zu Bruder Klausens Zeiten noch undenkbar gewesen wäre.

Mit diesem eucharistischen Wunsch verabschiede ich mich als Bruder-Klausen-Blogger und hoffe, der eine oder andere meiner Gedanken trage übers reiche Gedenkjahr hinaus Frucht.

Fr. Peter Spichtig op

 

Literatur: Durrer (1917–1921), 64; Gröbli (1990) 52 f.; Benediktionale für das deutsche Sprachgebiet, Freiburg i.B. 1978, 38 f.

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Der Bruderklausblog wird von einer dreiköpfigen Redaktion in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Medienzentrum Zürich getragen. Die Redaktion besteht aus Urban Fink-Wagner, Geschäftsführer der Inländischen Mission, Roland Gröbli, Vorstandsmitglied und Präsident des Wissenschaftlichen Beirats des Trägervereins 600 Jahre Niklaus von Flüe, und Peter Spichtig op, Ko-Leiter des Liturgischen Instituts der deutschsprachigen Schweiz. Als Mitarbeitende konnten zahlreiche Historikerinnen und Historiker, Theologen und Theologinnen sowie weitere Spezialistinnen und Spezialisten aus der Schweiz und dem Ausland gewonnen werden. Diese werden unter dem Link Autorinnen/Autoren näher vorgestellt.

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