Umformuliert

01.05.2019 – ein Blogbeitrag von Heinz Angehrn

Beachtlich, und dies sowohl im absolut seriösen wie auch im leicht humoristischen Sinn, scheint mir der Gastbeitrag, den Niklaus Herzog, Theologe und Jurist und immer wieder in ethischen Fragen unterwegs, erst kürzlich in der NZZ zum Thema der bevorstehenden Wahl eines neuen Churer Bischofs geschrieben hat (25.04., S.9). Er hat schon an vielen Orten Beachtung gefunden, und ich mache hier nun etwas nicht Übliches. Ich wiederhole seine Argumentation in meiner Sprache und gebe sie zur Diskussion frei. Es sei aber vorgewarnt, dass ich dies in einem mittel sarkastischen Tonfall versuche:

Die Diözesen der Deutschen Schweiz sind eines der Sorgenkinder von Mutter Kirche. Seit die Eidgenossen schon im 13.Jahrhundert sich vom zentralistischen Joch der Habsburger befreit haben, sind ihnen bis in die heutigen Tage, angefeuert auch immer wieder vom alten Milliardär in Herrliberg, Demokratie und Selbstbestimmung sehr wichtig. Sich nicht Unterjochen-Lassen (juristisch wie politisch), bewusst einen ganz eigenen Weg gehen und immer wieder auch über wenig wichtige Dinge basisdemokratisch abstimmen dürfen – diese typisch schweizerischen Werte haben sich seit dem Kulturkampf der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts auch in der katholischen Kirche der Schweiz, ihren Diözesen, Kantonalkirchen und Kirchgemeinden, fest etabliert. Den Deutschschweizer Katholiken ist wichtig, dass sie Schweizer Katholische Kirche sind, nicht katholische KIrche in der Schweiz.

Nun das kommt in Rom nicht gut an. Was wäre denn los, wenn jede kulturelle Region in der Weltkirche tun und lassen könne, wie sie wollte, ja sogar darüber abstimmen könnte, wie sie sich genau organisieren will. Blöderweise hatten die Vorgänger der jetzigen römischen Behörden aber Konkordaten mit der Schweiz zugestimmt, in denen ähnliche Privilegien erteilt wurden. Und so haben sich vor allem die Diözesen Basel und St.Gallen als Bollwerke (»ganz Europa?, nein ein kleines gallisches Dorf nicht») der Selbstbestimmung und der Abwehr von zentralistischen Interessen etabliert. Ihre Bischöfe in Kooperation mit dem Einsiedeler Abt, der verdorben vom Urkanton, in dem sein Kloster liegt, auch äusserst wider-ständig ist, machen den französisch-und italienischsprachigen Kollegen in der Schweizer Bichofskonferenz und schon gar der römischen Zentrale ständig Sorgen und Ärger. Egal, wer da zum Bischof gewählt wird, er reiht sich ein in die lange Liste der Asterixe.

Darum muss im dritten Deutschschweizer Bistum, wo Rom das Sagen hat, wer auf die Liste kommt und wer nicht, ein guter und standhafter (Pro)Konsul hin. So bleibt alles in Balance.

Ein PS für Herrn Herzog: Ihre Reaktion würde mich freuen.

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Heinz Angehrn

Heinz Angehrn ist Priester des Bistums St. Gallen und lebt nach 37 Jahren im aktiven kirchlichen Dienst nun als Teilpensionierter im Bleniotal. Seit 2018 ist er Präsident der Redaktionskommission der Schweizerischen Kirchenzeitung, deren Neuauftritt er als St. Galler Vertreter in den letzten Jahren begleitet hat. Seine Hobbies sind Musik, Geschichte und Literatur. Er ist Mitglied der Grünliberalen.

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