feiern und zweifeln

01.05.2018 – ein Blogbeitrag von Hans Leu

Im Kalender-Ausblick steht Pfingsten an. Auch so ein interessantes Fest in der Welt-Geschichte.
Der Hl. Geist ist ja immer schon ausgegossen; trotzdem kennen wir Ausgiess-Ereignisse noch und noch und noch fragwuerdiger: Die Bitte um den Hl. Geist will nicht aufhoeren. Einige tun noch immer so, als ob der Hl. Geist etwas sei, das von Gott zurueckbehalten wird um es im Austausch gegen Gebet und Gute Werke anzubieten. Wir erkennen, es braucht spirituellen Geist um den Hl. Geist zu erkennen.
In bezug auf die Auferstehung hat uns der Geist inzwischen dazu gefuehrt, dass wir Auferstehung nicht nur als ein wunderbares Ereignis am Ende des Lebens sehen; vielmehr ist deutlich geworden, dass Auferstehung ein Ereignis inmitten des irdischen Lebens ist. Aufertehung geschieht nicht nur schlussendlich sondern eben auch endlich taeglich.
Die Existenz zwischen Ostern und Pfingsten ist spannend. Zuerst muss Magdalena den einen Auferstandenen erkennen, dann wird die Erkenntnis durchgegeben und schon gilt die Auferstehung als ein Ereignis, das allen angeboten ist.
Zuerst scheint es, dass die Apostel auf den Hl. Geist taeglich warten, dann erfuellt er sie wie im Sturm und sie erkennen schlussendlich, dass der Hl. Geist schon immer am Wirken war. Gottseidank sind heute die meisten Christen so weit.
Dieser Hinweis auf «feiern und zweifeln» trifft unsere Christliche Existenz:  Wir feiern Auferstehung weil wir sie im Geiste in den Blick bekommen, weil wir den  Auferstehungs-Weg als gehbar akzeptieren und zweifeln, ob unser tat -saechlicher Lebensweg schon Auferstehung bedeutet.
Wir feiern den Hl. Geist weil wir ihn ahnen, sein Wehen empfinden und zweifeln ob der Weltenlauf vom Hl. Geist tatsaechlich bestimmt wird. Wer zweifelt ruft: «komm Hl. Geist, komm»; wer feiert, sah ihn am Werk.
Im kirchlichen Feiern folgt die Geist-Gabe der Auferstehung; im Zweifel folgt die Auferstehung der Geist-Gabe. Nur wenn der Geist gegeben ist entstehen Welten und Naturen, Religionen und Kirchen; wir feiern die Gabe…
im fragenden Zweifeln versichern wir uns der Gabe.

Hans Leu
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Hans Leu

Der Urner Missionar Vikar Hans Leu (*1939) arbeitete ab 1988 in Namibia als Ausbildner des kirchlichen Personals und als Supervisor der Arts-Performance-Centres. Er war einst Jungwacht-Präses in der Schweiz und in Fimcap. Er war interessiert zu entdecken, wie heutige Menschen ein säkulares Christentum leben. Hans Leu starb am 21. Juli 2018 in Namibia.

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