Kreuzigungsmedaillon aus dem Betrachtungsbild von Bruder Klaus, Original im Besitz der Pfarrei Sachseln. (© www.bruderklaus.com)
Kreuzigungsmedaillon aus dem Betrachtungsbild von Bruder Klaus, Original im Besitz der Pfarrei Sachseln. (© www.bruderklaus.com)

Einblicke in Klaus’ Gebetsschule zum Fest Kreuzerhöhung

13.09.2017 – ein Blogbeitrag von Bruder Klaus und Gefährten

Ein Mystiker fällt nicht vom Himmel. So sensibel jemand für innere Vorgänge sein mag, es braucht einen Deutungsrahmen und Hilfe, dieses Innenleben ordnen zu können. Die spätmittelalterliche deutsche Mystik ist vorwiegend im Umkreis der Beginen- und Nonnenseelsorge gediehen. Diese gebildeten Frauen hatten einen am kirchlichen Stundengebet orientierten Gebets- und Betrachtungsrhythmus und (zumeist) Zugang zu Literatur.

Klaus anderseits war wohl spirituell höchst sensibilisiert und verspürte einen zunehmenden Drang hin zu Abgeschiedenheit, Betrachtung und Gebet. Aber in seinem Alltag als Bauer, der Tiere zu versorgen hat, als liebevoller Ehemann und Vater einer stattlichen Kinderschar und als einer, dem immer wieder öffentliche Ämter aufgenötigt werden und der, wie die meisten damals, doch nie zur Schule ging – in so einem Alltag war an ein sorgfältiges Ordnen innerer Gesichter und Stimmen nicht zu denken.

«Wie gut, dass Heimo Amgrund, Pfarrer in Kriens, Niklaus’ Freund und Vertrauter war!», könnte man Dorothee sagen hören. Die historisch informierte fiktive Erzählung fährt fort: «Er betrachte auf Anraten des Herrn Pfarrers nun in eigens dafür vorgesehenen Übungen das Leiden Jesu. Zu sieben festgelegten Tageszeiten stehe eine bestimmte Station des Leidenswegs von Jesus im Zentrum der Aufmerksamkeit: Am späten Nachmittag, zur Zeit der Vesper, die Betrachtung des Abendmahls mit der Fusswaschung und der sich darin offenbarenden Liebe Jesu. Zum Nachtgebet die Todesangst Jesu am Ölberg und seins totale Hingabe, der Verrat an Jesus und seine Gefangennahme. Am Morgen früh vor Tagesanbruch betrachte er die Verspottung Jesus vor dem Hohen Rat bei Kajaphas, zum Morgengebet die Gerichtsverhandlung vor Pilatus und Herodes und am Vormittag die Geisselung und die Dornenkrönung sowie die Verurteilung und den Beginn des Kreuzweges. Am Mittag schliesslich vertiefe er sich in die Kreuzigung Jesu und am Nachmittag halte er sich dann seinen Tod am Kreuz vor Augen. Die Betrachtung der Leiden Jesu helfe ihm, mit seinen eigenen Schatten und dem Dunkeln in ihm zu ringen, nicht schwach zu werden und den vielen Versuchungen nicht nachzugeben.»

Das kirchliche Stundengebet steht heute allen zur Verfügung. Der spirituelle Reichtum der Psalmen und Cantica gibt mehr her als die damalige Ersatzform der Fokussierung auf das Leiden Christi. Einen Schatz gilt es zu heben! Gratis!

Fr. Peter Spichtig op

Zitat: Kuster/Rudolf von Rohr (2017), 54f.; weiterführende Literatur: Gröbli (1990), 128ff.; 168f.; Stirnimann (1981), 122f.

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Der Bruderklausblog wird von einer dreiköpfigen Redaktion in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Medienzentrum Zürich getragen. Die Redaktion besteht aus Urban Fink-Wagner, Geschäftsführer der Inländischen Mission, Roland Gröbli, Vorstandsmitglied und Präsident des Wissenschaftlichen Beirats des Trägervereins 600 Jahre Niklaus von Flüe, und Peter Spichtig op, Ko-Leiter des Liturgischen Instituts der deutschsprachigen Schweiz. Als Mitarbeitende konnten zahlreiche Historikerinnen und Historiker, Theologen und Theologinnen sowie weitere Spezialistinnen und Spezialisten aus der Schweiz und dem Ausland gewonnen werden. Diese werden unter dem Link Autorinnen/Autoren näher vorgestellt.

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