Die Religionen auf dem Balkan

27.06.2018 – ein Blogbeitrag von Heinz Angehrn

Nach dieser fürchterlich aufgeregten und irgendwie gänzlich unnötigen Diskussion um den Torjubel der Nati-Spieler und nach der erfolgten juristischen Regelung seitens eines korrupten Verbandes hier nun diese zwei Anmerkungen:

Seit Jahren sage und schreibe ich, dass fast nichts so sehr die Seelen von Ethnien über Jahrhunderte prägen und mit negativen Emotionen aufladen kann wie Erfahrungen von Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Gewalt, die eine Volksgruppe in der Geschichte über längere Zeit und mit meist schrecklichen Folgen für viele Betroffene machen musste. Das eigenartige biblische Wort, dass die sauren Trauben, die die Grossväter und Grossmütter essen mussten, die Zähne selbst noch der Ururenkel faulen lässt, erfüllt sich immer aufs Neue in übler Weise. Primarschüler/innen in Derry etwa (die noch heute zu über 95% nur konfessionell getrennte Schulen besuchen!) sind ja in keiner Weise mehr direkt betroffen von der brutalen Unterdrückung und Vertreibung der katholischen Landbevölkerung durch das Empire in früheren Jahrhunderten, und trotzdem prägt sie diese Geschichte via bewusste und noch mehr via unbewusste (unter-bewusste) Weitergabe in den Clans, in den Quartieren und in der eigenen Familie. Das gilt nun auch für alle Angehörigen der Ethnien, die in der Geschichte des Balkans solches erleben mussten. Als das Osmanische Reich von den europäischen Mächten langsam wieder nach Süden zurückgetrieben wurde, blieben in ländlichen Regionen viele kleine islamische Enklaven zurück. An denen liess dann das serbische Königreich und seine schrecklichen Nachfolger im heutigen Serbien (Milosevic, Mladic, Karadzic) seine ganze Rachsucht und Gewalttätigkeit aus. Noch heute: Nicht die grosse Türkei wird geschlagen, sondern die Minderheiten.
Wenn also die Herren Xhaka und Shaqiri auf dem Platz standen und stehen, steht hinter ihnen eine lange Opfergeschichte, stehen hinter ihnen auch die 8’000 ermordeten Männer und Burschen von Srebrenica.

Und nun zu diesem Moral-Onkel von SRF, der das Spiel kommentiert hat, Herr Sascha Ruefer: Schämen Sie Sich! Haben Sie überhaupt eine Ahnung von dieser Geschichte, haben Sie Sich nebst Infos über Videoschiedsrichter und Mannschaftsaufstellungen auch informiert über die historischen, politischen und religiösen Hintergründe? Ich denke nicht. Und dann sitzen Sie da als Vertreter eines Volkes und Landes, in dem zum letzten Mal im Jahr 1847 Krieg geführt wurde, und 1918 letztmals Schüsse der Armee gegen Unbewaffnete fielen und fühlen sich berechtigt, diese jungen Kerle zu kritisieren. Ich muss etwas Böses loswerden: Anscheinend entspricht der IQ von Fussball-Reportern dem der Mehrzahl der Fussballspielenden.

Das PS: Wenn wir schon etwas kritisieren, dann bitte die Gehälter dieser Spieler. Die verderben die Seelen aufs Neue.

Kommentare

  • Stadler Karl says:

    Sie haben über weite Strecken sicher recht. Aber was wirklich ungute Gefühle aufkommen lässt, ist, dass teilweise mit der Migration solche Konflikte in hiesige Gegenden heineingetragen werden oder dass ausländische Mächte ihre politischen Ansprüche in ihrer Diaspora mit allen Mitteln zur Geltung bringen wollen und damit Konfliktpotential entfalten, das hierzulande aktiviert wird.Dafür sollten wir unter keinen Umständen Empathie entgegen bringen. Das darf auch nicht verhandelbar sein.

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Heinz Angehrn
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Heinz Angehrn

Heinz Angehrn ist Priester des Bistums St. Gallen und lebt nach 37 Jahren im aktiven kirchlichen Dienst nun als Teilpensionierter im Bleniotal. Seit 2018 ist er Präsident der Redaktionskommission der Schweizerischen Kirchenzeitung, deren Neuauftritt er als St. Galler Vertreter in den letzten Jahren begleitet hat. Seine Hobbies sind Musik, Geschichte und Literatur. Er ist Mitglied der Grünliberalen.

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