mit Kriegsschiff Dämonen der Gewalt austreiben? © Ludin 2018
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Dämonen bekämpfen

14.07.2018 – ein Blogbeitrag von Walter Ludin

«In jener Zeit geschah es, dass …». So oder ähnlich beginnen viele Evangelien-Abschnitte, die im Gottesdienst vorgelesen werden. Ein solcher Anfang stammt in dieser Form nicht aus der Bibel, sondern von jenen, welche die Auswahl der Stellen getroffen haben.

Ich lasse die Formel gewöhnlich weg. Denn das Evangelium möchte uns nicht bloss Geschichten aus längst vergangenen Tagen erzählen; eben aus «jener Zeit», die schon fast 2000 Jahre hinter uns liegt. Die Worte Jesu und die Geschichten über sein Wirken richten sich auch an uns, die wir im Hier und Heute leben.

Schauen wir das Evangelium unter diesem Gesichtspunkt an und betrachten wir miteinander zwei Aussagen:

  1. die Sache mit den Dämonen»
  2. den Auftrag Jesu, Kranke zu heilen.

Beginnen wir damit, dass Jesus den Jüngern «Macht gibt, böse Geister auszutreiben». Am Schluss des Evangeliums erfahren wir, dass es funktioniert hat. «Sie, die Jünger, trieben viele Dämonen aus», heisst es dort lapidar.

So weit so gut, könnten wir sagen. Nein, so einfach ist es nicht. Denn wir haben heute ein anderes Verständnis von Dämonen. Für die Zeitgenossen Jesu waren sie verantwortlich für viele, ja vielleicht für die meisten Krankheiten. Wir wissen es besser: Die Krankheiten werden nicht ausgelöst durch dämonische Kräfte, sondern etwa durch Viren, Bakterien oder auch durch Stress; durch Faktoren der Umwelt und der Vererbung. Ob es daneben in Einzelfällen Besessenheit durch teuflische Kräfte gibt, darüber wollen wir jetzt nicht spekulieren.

Nochmals: Wir glauben nicht mehr so rasch, dass Dämonen am Werk sind. Trotzdem wäre es zu einfach zu sagen, wir sollten uns vom Glauben an böse Geister verabschieden. Nur wenn wir blind wären für das, was tagtäglich in der Welt geschieht, könnten wir das Böse übersehen. Auch wenn die «bösen Geister» nicht mehr in Gestalt von gehörnten Wesen erscheinen, sind sie am Werk. Es sind die Dämonen von

  • Machtgier und Habgier
  • Gewalt und Unterdrückung
  • Hass und Terror
  • Hoffnungslosigkeit und Gleichgültigkeit.

Wir erleben es fast jeden Tag, dass aus Habgier Menschen auf die Strasse gestellt/entlassen werden, damit die Aktien steigen; damit jene, die schon viel haben noch mehr haben.

Oder denken wir an den bösen Geist, den Dämonen der Gewalt. Man meint, man könne damit jedes Problem lösen. Nur ein Beispiel: Im Irak meinte man, man könne einen Diktator mit Waffengewalt entfernen. Der Diktator verschwand zwar. Doch seine Anhänger taten sich im Gefängnis zusammen und gründeten den so genannten Islamischen Staat, eine terroristische Mörderbande.

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Ähnliches könnte man von Syrien sagen: Auf allen Seiten vertraute und vertraut man darauf, dass Gewalt und Terror alle Probleme löst. Dass das Gegenteil der Fall ist, erfahren wir aus den Radio-Nachrichten fast Stunde für Stunde.

Zurück zum Evangelium: Wenn wir dieses ernst nehmen, vertrauen wir darauf, dass Jesus auch uns Vollmacht über böse Geister verleiht. Auch wir können durch das Vertrauen auf die Botschaft Jesu von der Gewaltlosigkeit etwas zu einer friedlicheren Welt beitragen: durch Förderung der Gerechtigkeit, etwa durch die Unterstützung von Hilfswerken und dem Kauf fair gehandelter Waren Geister der Ungerechtigkeit schwächen. Und ebenso durch unsere Entscheide an der Wahl- und Abstimmungsurne!

Lassen wir das Thema «Dämonen» und wenden wir uns noch ganz kurz der zweiten Aussage Jesu aus dem heutigen Evangelium zu: dem Auftrag Kranke zu heilen. Er richtet sich nicht nur an Ärzte und anderes medizinisches Personal. Ich behaupte: Wir alle können heilend wirken, auch wenn wir keine Wunderheilungen vollbringen.

Denn wir können durch ein gutes Wort, durch eine Tat der Hilfsbereitschaft andere aufrichten, sie -wie man umgangssprachlich sagt –aufstellen.

Darum lade ich sie ein: Seien wir aufstellende Menschen; Menschen, die einander Mut zusprechen und Hoffnung schenken. Wenn wir es versuchen, spüren wir bald: Dadurch wird auch unser Leben aufgestellter, bunter und froher.

Zurzach, So 10.30 Uhr

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Kommentare

  • Ilse Sixt says:

    Ergänzung zu Pater Ludins Predigt!
    Unterbrich mich nicht, Herr! Ich bete – Beten ist für manche Christen, zumal, zumal, wenn sie durch Familie und Beruf stark beansprucht werden, eine tägliche Routine, die man wie Zähne putzen möglichst schnell hinter sich bringt, Was wäre, wenn Gott akustisch hörbar antworten würde?
    – „Vater unser im Himmel…” „Ja?” – „Unterbrich mich nicht, ich bete.” „Aber du hast mich doch angesprochen?” – „Äh…nein, eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser im Himmel…” – „Da, schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also worum geht’s?” „Geheiligt werde dein Name,…” „ Meinst du das ernst?” – „Was soll ich ernst meinen?” „ Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet denn das?” „ Es bedeutet… es bedeutet…meine Güte, ich weiß es nicht, was es bedeutet! Woher soll ich das wissen?„ ” Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich die einzigartig wichtig bin, dass dir ein Name wertvoll ist.” „ Aha. Hm. Ja, das verstehe ich.- Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.” „ Tust du was dafür?” „ Dass dein Wille geschehe? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich zahle Kirchensteuer und gebe Missionsopfer.” „ Ich will mehr: Dass dein Leben in Ordnung kommt, dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden, dass du von anderen her und für andere denken lernst, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, auch dein Vermieter und dein Chef. Ich will, dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden. Denn alles, was du diesen Menschen tust, tust du doch für mich.” „ Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viele stinkreiche Heuchler in den Kirchen sitzen? Schau sie doch an!” „ Entschuldige, ich dachte du betest wirklich darum, dass mein Reich komme und mein Wille geschehe. Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet. Erst wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein.” „ Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt weiterbeten? Unser tägliches Brot gib uns heute…” „ Deine Bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen.” „ Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben, unseren Schuldigern…” „ Und dein Arbeitskollege?” „ Jetzt fang auch noch von dem an! Du weißt doch, dass er mich öffentlich blamiert hat, dass er mir jedes mal dermaßen arrogant gegenübertritt, dass ich schon wütend bin, bevor er seine herablassenden Bemerkungen äußert. Das weiß er auch. Er nimmt mich nicht ernst, er tanzt mir auf der Nase rum. Dieser Typ hat…” „ Ich weiß, ich weiß. Und dein Gebet?” „ Ich meine es nicht so.” „ Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit so viel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?” „ Es macht mich krank.” „ Ich will dich heilen. Vergib ihm doch, und ich vergebe dir. Vielleicht vergebe ich dir schon vorher. Dann sind Arroganz und Hass seine Sünde und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld; ganz sicher verlierst du ein Stück Image, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen.” „ Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.” „ Ich helfe dir dabei!” „ Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen…” „ Nichts lieber als das! Meide bitte Personen oder Situationen, durch die du versucht wirst.” „ Wie meinst du das?” „ Du kennst doch deine schwachen Punkte. Unverbindlichkeit, Finanzverhalten, Aggression u.s.w. Gib dem Versucher keine Chance!” „ Ich glaube, dies ist das schwierigste Vaterunser, das ich je gebetet habe. Aber es hat das erste Mal etwas mit meinem alltäglichen Leben zu tun.”
    „ Schön! Wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende.” „ Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen”
    „ Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und dann das tun, was mein Wille ist; wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich selbst glücklich macht. – Verfasser unbekannt.

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Walter Ludin

Walter Ludin, Kapuziner in Luzern. Redaktor der Eine-Welt-Zeitschrift ite und des franziskanischen Jahrbuchs „Franziskuskalender“. Freier Journalist. Kirchenblogger seit 2005. Themen: Kommentare und Glossen zu aktuellen kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen. Predigtauszüge. Aphorismen. Buchbesprechungen.

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