Bruder Klaus und Ulrich Zwingli. Der Zürcher Reformator wusste sich im Einsatz für den Gemeinnutzen einig mit dem Ranfteremiten, der zwei Generationen vor ihm gelebt hatte. (Fotos: zVg)
Bruder Klaus und Ulrich Zwingli. Der Zürcher Reformator wusste sich im Einsatz für den Gemeinnutzen einig mit dem Ranfteremiten, der zwei Generationen vor ihm gelebt hatte. (Fotos: zVg)

Brüder im Geiste: Huldrych Zwingli und Bruder Klaus

11.10.2017 – ein Blogbeitrag von Bruder Klaus und Gefährten

Niklaus von Flüe (1417–1487) und der zwei Generationen jüngere Ulrich Zwingli (1484–1531) sind sich nie begegnet. Aber sie hatten weit mehr gemeinsam denn nur die Herkunft aus gut situierten Bauernfamilien, der eine Innerschweizer, Toggenburger der andere.

Während das Gedenkjahr für Niklaus von Flüe allmählich ausklingt, folgen sich die Jahrhundertjubiläen zu den wichtigsten Stationen der Reformation in der Schweiz nun Schlag auf Schlag. Dies wird Gelegenheit bieten, vorab in den katholischen Stammlanden, in Ulrich Zwingli nicht nur den (gescheiterten) Glaubensreformator zu sehen, der vor 486 Jahren, am 11. Oktober 1531 auf dem Schlachtfeld in Kappel am Albis, im Kampf für seinen Glauben ums Leben kam.

Für den Gemeinnutzen, wider den Eigennutzen

So ging es Ulrich Zwingli in seinem Engagement nicht um «seinen» Glauben, sondern um eine Erneuerung des Glaubens auf der Basis der heiligen Schrift; und vor allem war Huldrych Zwingli, wie er sich nun nannte, vorab als Pfarrer des Grossmünsters in Zürich weitmehr ein unermüdlicher Sozial- und Stadtreformator denn ein «reiner» Glaubenskämpfer. Theologisch dachte und handelte er für den Gemeinnutzen und für die allgemeine Wohlfahrt.

Als in der Welt tätiger Mensch, als Organisator, Motivator, Prediger und Lehrer arbeitete Huldrych Zwingli aktiv an einer Veränderung der politischen, gesellschaftlichen, religiösen und sozialen Grundlagen für die Menschen seiner Zeit. Und dennoch erkannte er in Bruder Klaus, wie Niklaus von Flüe während seiner Jahre als Einsiedler geheissen wurde, einen Bruder im Geiste. Wenn er sich direkt auf Bruder Klaus berief, tat er dies mit Verweis auf die Mahnung des Ranfteremiten, dass nichts die Eidgenossenschaft auseinanderbringen könne, denn der Eigennutzen. Es war und ist der Eigennutzen, das Streben nach individueller Bereicherung, welche dem Gemeinsinn, dem Gemeinnutzen in Wege steht. Der in jeder Hinsicht unnütze und unnötige Tod von Zwingli auf dem Schlachtfeld hat seine Lebensleistung als Sozialreformer bis heute überlagert. Die anstehenden Jubiläen bieten eine willkommene Chance, seinen sozialen und politischen Anliegen, die heute so aktuell wie damals sind, mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Roland Gröbli

 

Literaturhinweise (wärmstens empfohlen): Peter Opitz (2015): Ulrich Zwingli, Prophet, Ketzer, Pionier des Protestantismus. Zürich; Gloor, Fritz (2017): Bruder Klaus und die Reformierten. Der Landesheilige zwischen den Konfessionen. Zürich.

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Der Bruderklausblog wird von einer dreiköpfigen Redaktion in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Medienzentrum Zürich getragen. Die Redaktion besteht aus Urban Fink-Wagner, Geschäftsführer der Inländischen Mission, Roland Gröbli, Vorstandsmitglied und Präsident des Wissenschaftlichen Beirats des Trägervereins 600 Jahre Niklaus von Flüe, und Peter Spichtig op, Ko-Leiter des Liturgischen Instituts der deutschsprachigen Schweiz. Als Mitarbeitende konnten zahlreiche Historikerinnen und Historiker, Theologen und Theologinnen sowie weitere Spezialistinnen und Spezialisten aus der Schweiz und dem Ausland gewonnen werden. Diese werden unter dem Link Autorinnen/Autoren näher vorgestellt.

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