Samichlaus vor der Klosterkirche, Wesemlin |© Br. Beat Pfammatter 2018
Samichlaus vor der Klosterkirche, Wesemlin |© Br. Beat Pfammatter 2018

Anmeldung für Samichlausbesuch in der warmen Stube

03.12.2018 – ein Blogbeitrag von George Francis Xavier

Während meines Spaziergangs durch die Stadt, wurde ich von einem jungen Mann angesprochen, der mich um ein 50-Rappen-Stück angefragt hat. Aus meiner Faulheit heraus, meine Jacke zu öffnen und mein Portemonnaie herauszuholen, sagte ich sofort ein «Nein» – eine der grausamsten automatischen Antworten der Welt. Innerhalb einer Minute bemerkte ich meinen Fehler und unmenschliche Antwort und ich versuchte zu ihm zurückzukehren. Mein schlechtes Gewissen drängte mich zu einer Entschuldigung, aber der junge Mann war nirgendwo zu finden. Ihn links und rechts zu suchen und ihn auch in der nächsten Strasse nicht zu finden, machte mich nur nervös. Oh Gott, wie hast du gerade nach den Worten Jesu über mich geurteilt, da ich sie nicht nach deiner Vorgabe befolgt habe: «Ich hatte Hunger und du hast mir nichts zu essen gegeben, ich hatte Durst und du hast mir nichts zu Trinken gegeben, ich war ein Fremder und du hast mich nicht eingeladen, …». Hat Gott mich gerade besuchen wollen? Das Gesicht des jungen Mannes nach meiner Abweisung kann ich nicht vergessen.

 

Wir müssen nur unsere Augen öffnen, um «Menschen in Not» zu sehen. Überall auf der Welt, in verschiedenen Formen und an verschiedenen Orten gibt es Menschen, deren Augen mit Tränen gefüllt sind. Ob an den Grenzen der USA oder in den verschiedenen Ecken Europas oder auf dem Boot zur italienischen Küste oder bei den Rohingyas in Myanmar, alle warten darauf, eine helfende Hand zu finden und wahrgenommen zu werden.

 

Wer ist Samichlaus? Es ist der, der gerade mit einer Tasche voller Barmherzigkeit durch den Abend wandert und weiss, dass jemand etwas braucht. Ich weiss, dass er ein fiktiver Charakter ist. Ich selbst habe gerade eine Chance verpasst, zu einem Charakterzug des Samichlaus zu werden, die guten Dinge vor den Haustüren ablädt, ohne ein Wort des Dankes zu erwarten.

 

Heutzutage müssen wir uns anmelden um auf die genau vereinbarte Zeit des Samichlaus-Besuchs aus der Pfarrei zu warten. Unsere Gesellschaft ist derart wohlhabend geworden, dass wir den Samichlaus einsetzen, um für Kinder (und uns Erwachsene) den Durst nach Unterhaltung und heiler Welt zu stillen.

Samichlaus vor der Klosterkirche, Wesemlin |© Br. Beat Pfammatter 2018

Es gab in meiner Kindheit die Zeit, dass viele Samichläuse unsere Familien spontan besuchten und alle kamen sie ohne Anmeldung. Es waren spontane Begegnungen der Freude in unserer Familien-Stube.  Ist diese Zeit vorbei, oder sind wir in kleine und enge Freundes-Kreisen geschrumpft, die kaum mehr neue Menschen in unsere warmen Stuben einziehen lassen?

 

Es ist die Zeit der Einladungen und Feiern. Fragen wir uns: Wem soll ich eigentlich den Tisch decken? Wer braucht meine Geschenke wirklich? Es braucht nicht nur Lichterketten am Samichlaustag und auf Weihnachten und Neujahr hin, sondern für leuchtende Augen von Menschen in Not braucht es noch viel mehr Güte zwischen Neujahr und Weihnachten!

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George Francis Xavier

George Francis Xavier, aufgewachsen in Indien, ist Kapuziner. Seit 2010 wohnt er im Kapuzinerkloster Luzern und absolviert an der UNI Luzern als Zweitstudium Kulturwissenschaft, mit Schwerpunkt Ethnologie. Aus seinen Erfahrungen „Indien" und „Schweiz" öffnet er den Blickwinkel und greift in seinem Blog politische und kirchliche Themen auf. Er leuchtet sie aus und nimmt wo angebracht persönlich Stellung.

Im Blog von George Francis Xavier

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